Effektvoll
In der ausuferndsten, ressourcenverschlingensten Version wird alles in den fünften Akt gedrängt. Stunden liegen da hinter dem Besucher, in mancher Partiturversion sogar ein ganzer Tag. Ähnlich, wenn auch konzentrierter, verhält es sich mit einem Vorläufer von Berlioz’ «Les Troyens». Doch auch bei Purcells «Dido and Aeneas» ist der Abschied der Liebenden Finalsache.
Wie es wohl wäre, aus diesem Moment, aus diesem tragischen Gegensatz von Herzensstimme und Göttergebot, einen ganzen Abend zu konstruieren? Metastasio landete mit dem Libretto einen Bestseller: Über 60-mal wurde seine «Didone abbandonata» vertont, von Porpora, Hasse, Jommelli, Piccinni, zuletzt, 2004, von Michael Hirsch.
Die meisten dieser Opern sind nurmehr Archivsache, auch die Fassung von Giuseppe Saverio Mercadante ist es. Was, die jüngste Anstrengung der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik führen es vor, dann doch verwundert. Die Rossini-Nähe merkt man dem Zweiakter an, auch das Bedienen von Belcanto-Strukturen. Oft wirkt es, als könne sich dieses 1823 in Turin uraufgeführte Stück nicht befreien aus Formeln und Vorschriften. Und doch bleibt man zweieinhalb Stunden lang dran. Der kräftigere Farbauftrag in der ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Markus Thiel
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome...
Wie groß die Macht des Heiligen sei? Wir wissen es nicht. Dass sie aber in weiten Teilen der westlichen Welt als zumindest gebrochen erscheint, ist, wie es Hans Joas in seiner gleichlautenden Studie beschreibt, als Zeitdiagnose nicht allzu gewagt – die Wirklichkeit, wie auch immer sie angeschaut wird, lügt kaum. Aber, und das ist das Schöne: Man kann ihr...
Vorn ist einer laut schnarchend eingeschlafen, rechts drängen sich Empörte aus dem Saal, links fließen stille Tränen. Flüstern überall: Das Publikum weiß nach der Pause nicht, wohin mit sich in Romeo Castelluccis «Zauberflöte» an der Brüsseler Münze.
Doch der Reihe nach. Zunächst knöpft der Regisseur sich den Wunsch nach einem Mozart’schen Märchen vor, indem er...
