Diva oder Diseuse?

Salome Kammer und Angela Denoke singen Songs von Kurt Weill und Hanns Eisler

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Wie sie auf einem Koffer zwischen den Eisenbahnschienen sitzt, sieht sie aus wie ein weiblicher Hobo im Niemandsland des Mittleren Westens. Wenn da nicht die dezent gepflegte Kleidung wäre, die sie doch eher wie eine verirrte Touristin erscheinen lässt. Das Cover-Bild passt gut zur CD von Salome Kammer mit Brecht-Vertonungen der beiden Klassiker Kurt Weill und Hanns Eisler sowie ihres Klavierbegleiters Rudi Spring, besitzt dieser zwischen E und U angesiedelte Repertoirebereich doch selbst etwas Ortloses und verlangt von der Interpretin ein entsprechendes Maß an stilistischer Beweglichkeit.



Die Auswahl der Lieder zerfällt deutlich in zwei Gruppen. Die erste umfasst Ohrwürmer von Kurt Weill aus den ebenso glitzernden wie düsteren Roaring Twenties, darunter den Bilbao-Song und einschlägige Titel aus der «Dreigroschenoper». Die zweite widmet sich den Liedern von Eisler und Weill aus der Zeit der Emigration, in denen der cool-schnodderige Berliner Großstadt­slang einem nachdenklichen, oft auch depressiven Tonfall gewichen ist. Damit nähern sie sich wieder mehr der Ausdruckswelt des traditionellen Klavierlieds an. Hier fühlt sich die Sängerin, die ihre vielseitigen Ausdrucksqualitäten ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Max Nyffeler

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