Musik sichtbar machen

Ein Hand- und ein Regiebuch bringen uns die szenische Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts nahe und dokumentieren erstmals «Die Meistersinger» in historischen Interpretationen französischer Schule

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Wie die Beschäftigung mit Historischer Aufführungspraxis in Frankreich eine lange Tradition hat und das Publikum Alte Musik vergöttert, gehören frankophone Regisseure neben ihren akademischen Kollegen von den amerikanischen performance practice studies der 1980er-Jahre zu den Pionieren einer Historischen Aufführungspraxis der Szene. Kein Wunder, dass nun ein umfangreiches Handbuch zur Bühnenpraxis um 1900 von dort kommt.

Es wertet die reichen Quellenbestände der Pariser Oper aus, richtet den Blick zu Vergleichszwecken aber auch auf die Opéra Comique, wo Albert Carrés «realistische» Bühnenreform europaweit Schule machte, sowie auf Brüssel und Genf. Dass man durch das Studium der Zutaten eine Inszenierung des 19. Jahrhunderts genauso wenig wird wiederbeleben können, wie man durch das Studium eines Kochbuchs ein genialer Koch wird, liegt auf der Hand und wird von niemandem bestritten. Es ist auch fraglich, ob man etwa die schematische Anordnung des Chores überhaupt «rekonstruieren» will. Dennoch vermittelt der leicht lesbare und mit über 550 Abbildungen illustrierte Band Regisseuren und Opernliebhabern detaillierte Kenntnisse, die uns die theaterpraktischen Prämissen des gesamten ...

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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Boris Kehrmann

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