Déjà-vu
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy Montavon, Erfurts Generalintendant, auf der Kulissentreppe die 2000 Zuschauer. Lange schon ist das Festspielereignis ausverkauft. «Wir verlassen den Platz nicht, bis sieben Mönche abgemurkst sind», sagt Montavon.
Doch so weit kommt es nicht: Nach zweien wird schon Schluss sein an diesem Abend. «Toi, toi, toi», ruft er noch und klopft auf den Boden. Die Raben krächzen unheilvoll vom Dachfirst des Doms und fliegen fort.
Die Glocken läuten. Grün gewandete Mönche steigen die Stufen herab. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, Kordel um den Bauch, gruppieren sie sich auf der gewaltigen Treppe. Auf ihr lagern nicht minder gewaltige Fragmente eines Mosaiks; wie heruntergeflatterte Seiten liegen sie flach nebeneinander oder stehen hochkant wie Bücher, als wären sie aus dem Hauptportal des Doms gefallen. Die Fragmente können ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Nora Sophie Kienast
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar...
Die Zahlen sind imponierend: 140 Tonnen schwer und 14 Meter hoch ist das Bühnenbild zu Verdis «Rigoletto» auf der Seebühne Bregenz. Acht Millionen Euro ließen sich die Festspiele am Bodensee diese Kulisse kosten – und erfüllten damit erneut die an sich selbst gestellte zentrale Forderung: Open-Air-Spektakel mit höchstem Schauwert anzubieten. Drinnen im...
Es gibt Opernaufführungen, bei denen alles stimmt: rollengerechte Besetzung (vokal, physiognomisch), die musikalische Einstudierung und Leitung, ein treffendes Bühnenbild sowie eine Regie, die das Werk in seiner Essenz aufschließt. So gelingt es, dass eine Inszenierung zum Retter einer problematischen Oper wie «Das Wunder der Heliane» von Erich Wolfgang Korngold...
