Das Innere verstehen
Frau Charbonnet, nachdem Richard Strauss im September 1908 die Partitur seiner «Elektra» abgeschlossen hatte, schrieb er einen Brief an den Dresdner Generalmusikdirektor Ernst von Schuch, in dem es heißt, der Schluss der Oper sei sehr saftig geraten und die Hauptrolle müsse nun auf jeden Fall von der «allerhochdramatischsten Sängerin» gegeben werden, über die Schuch verfüge. Trifft diese Strauss'sche Beschreibung auf Ihre Stimme zu?
Ich glaube schon, dass ich ein dramatischer Sopran bin. Und davon gibt es nicht gar so viele.
Für mich liegt das Ideal eines dramatischen Soprans darin, dass die Stimme eine Spannweite besitzt von sehr tief bis sehr hoch und dass diese Stimme in der Lage ist, den gleichen voluminösen Klang in allen Lagen beizubehalten. Ich glaube nicht, dass viele Frauen diese außergewöhnliche Form der Stimme haben. So weit dazu. Aber nun zu dem Brief, den Sie zitieren. Ich denke, Strauss meinte mit den Attributen «saftig» und «allerhochdramatischst» weniger den Sänger als vielmehr den Darsteller.
Darsteller und Sänger – ist das im Fall der «Elektra» ein wesentlicher Unterschied?
Elektra braucht beides. Darin liegt die Schwierigkeit der Partie.
Grenzt es nicht fast an ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bei einem so viel gespielten Werk des Repertoires wie Wagners «Fliegendem Holländer» muss es jedem Regisseur schwerfallen, einen radikal neuen Zugang zu finden. Nach dreißig Jahren Regietheater scheint die ganze Bandbreite zwischen gesellschaftskritischer Dekonstruktion und synkretistisch aufgepäppelter Vodoo-Bilderwelt, zwischen plattem Realismus und traumatischer...
Es ist die erste Oper des belgischen Komponisten Luc Van Hove (Jahrgang 1957). Und gleich im ersten Anlauf konnte er einen Erfolg verbuchen. «La strada», Ende Januar an der Vlaamse Opera in Antwerpen uraufgeführt, kam an. Trotz mancher sorgenvoller Zweifel, ob die Adaption eines berühmten Films für das Musiktheater gelingen könne. Denn das Stück basiert natürlich...
Nein, Claus Guths Salzburger Inszenierung von Mozarts «Figaro» habe er nicht gesehen, beteuert Paul-Emile Fourny. Und damit natürlich auch nicht jenen Cherubin, der bei Guth schweigend durch den Salon des Almaviva’schen Herrenhauses geistert. Die drei Engel, die der Intendant der Opéra de Nice nun für eine neue «Tosca» aufbietet, habe Ausstatter Louis Désiré ins...
