Das Gewicht der Welt
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der «Winterreise» zeigen, was für ein begnadeter Liedgestalter Gerold Huber ist, insbesondere bei Schubert. Für gewöhnlich steht an seiner Seite Christian Gerhaher.
Nun aber ist es, eine Stimmlage tiefer, sehr profund, der Bass Günther Groissböck.
Anfangs mutet dessen wohlgerundete, dunkel timbrierte Stimme noch etwas behäbig an, so als liege ein Gazeschleier auf ihr, irgendwie gestaut, überwölbt; auch die Agogik wirkt übersteuert, zu sehr gedehnt, beispielsweise in «Auf dem Flusse». Doch mit jedem weiteren Lied befreit sich Groissböck, wird sein bestechender interpretatorischer Ansatz deutlich: Der Wanderer, den er im Sinn hat, trägt – atlasgleich, ohne Atlas zu sein – das ganze Gewicht der Welt. Selbst einen «Frühlingstraum» kann er nicht unbedarft träumen. Diese Ausweglosigkeit des romantischen Individuums beschreiben ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Otten
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny...
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
Wann sind Sie Ariadne zum ersten Mal begegnet?
2014, in meinem letzten Jahr an der Opernakademie Kopenhagen. Ich habe einige Nummern für die Abschlussprüfung und in einem Konzert gesungen.
War das damals eine Wunschpartie?
Ich kannte «Ariadne auf Naxos» gar nicht, habe bei Null angefangen, bin an der Hochschule jeden Takt mit meiner Lehrerin Susanna Eken...
