Der Schöpfer, lustlos
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny Erpenbeck, die Lots Frau nicht neugierig hinter sich sehen, sondern bewusst zurückbleiben lässt, weil mit der Stadt Sodom auch ihre Geschichte untergeht.
Sie ist ja, im Gegensatz zu ihrem Mann Lot, eine Einheimische, die ergriffen Abschied nimmt (Khatuna Mikaberidze macht das angemessen ergreifend).
Dies ist nicht der einzige Eingriff in die biblische Geschichte, den die musiktheatererfahrene Autorin vollzieht. Sie gibt der auf Lots Rettung folgenden Geschichte um seine Töchter (an die sich vielleicht nur bibeltreuere Leser erinnern) mehr Tiefe als der lakonische «Genesis»-Text. Während dort der betrunken gemachte Lot nicht merkt, was mit ihm passiert, geschieht hier die Verführung durchaus bewusst. Die widerspenstige ältere Tochter will klären, ob ihr Vater ein Heiliger oder ein Scheinheiliger ist – und der weiß durchaus ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Rainer Wagner
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