Das Geheimnis des Alters

Paris, Gluck: Iphigénie en Tauride

Opernwelt - Logo

Der Pariser Opernintendant Gerard Mortier, zu Beginn seiner Amtszeit wegen seines Reprisenspielplans gern gescholten (er wollte den Parisern eben gern einmal zeigen, was er so in Salzburg, Brüssel oder im Ruhrpott auf die Bühne gebracht hat), gewinnt für seine beiden Häuser, die Bastille-Oper und die alte Grand Opéra im Palais Garnier, zunehmend eigene Profile. Jetzt hat er für eine neue Inszenierung von Chris­toph Willibald Glucks «Iphigénie en Tauride» (in französischer Sprache) den polnischen Regisseur Krzysztof Warlikowski (Jahrgang 1962) entdeckt.

Warlikowski kommt vom Schauspiel, hat unter anderem bei Peter Brook und Gio­rgio Strehler assistiert.
Für einen Opernregie-Neuling gehört es sich selbstverständlich, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Warlikowski, so will es scheinen, fühlt eine intensive Nähe zu alten Menschen, ihrem geheimnisvollen Wissen, ihren verrätselten Erfahrungen. Als er in einem Fotoband des New Yorker Bildkünstlers Bruce Gilden das Porträt einer würdigen alten Dame der gehobenen ­Gesellschaft sah, die weißgrauen Haar hochtoupiert, schmal das Gesicht, markant geschnittene Züge, da assoziierte er spontan: Iphigénie. So erscheint denn auch Susan Graham zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bolschoi & Co. entdecken Mozart

Mozart-Opern spielten in Moskau lange Zeit überhaupt keine Rolle. Erst mit dem aktuellen Mozart-Jahr scheint dieser weiße Fleck allmählich zu verschwinden. So gibt es gleich zwei verschiedene Deutungen der «Zauberflöte» zu besichtigen. Das Bolschoi Theater zeigt eine In­szenierung von Graham Vick. Er präsentiert eine amüsante, stilvolle und lebendige Deutung voller...

Puccini: Tosca

Das heißeste Ticket der Londoner Opernsaison hatte einen Namen: Angela. Oder eher zwei: Angela Gheorghiu und Tosca. Denn die allürenhafte rumänische Starsopranistin, die einzig zur Covent Garden Opera noch weniger getrübte Beziehungen unterhält, trat mit einem spektakulären Rollendebüt in die Fußstapfen der Callas. Und das zweifach. Als Abschiedsgeschenk für die...

Ein Zugvogel des 20. Jahrhunderts

Die Sensation war perfekt: «Ostberliner Opernstar geflüchtet», titelte am 11. Januar 1962 die «Nacht­depesche» in großer Aufmachung und berichtete von dem gelungenen Versuch der damals auch schon im Westen bekannten tschechischen Mez­zosopranis­tin Sona Cervena, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Durch den Mauerbau – sein Beginn am 13. August 1961 jährt sich...