Ein Zugvogel des 20. Jahrhunderts

Vor fünfundvierzig Jahren wurde die Berliner Mauer gebaut. Für Sona Cervena nur eine Zäsur in einem bewegten Leben zwischen Ost und West. Im «Opernwelt»-Gespräch berichtet sie von Hürden im Prag der Nachkriegszeit, von der Arbeit mit Walter Felsenstein und Wieland Wagner und von ­einer späten Heimkehr.

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Die Sensation war perfekt: «Ostberliner Opernstar geflüchtet», titelte am 11. Januar 1962 die «Nacht­depesche» in großer Aufmachung und berichtete von dem gelungenen Versuch der damals auch schon im Westen bekannten tschechischen Mez­zosopranis­tin Sona Cervena, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Durch den Mauerbau – sein Beginn am 13. August 1961 jährt sich in diesem Sommer zum fünfundvierzigsten Mal – fühlte sie sich künstlerisch wie menschlich derart eingeengt, dass sie schließlich die Konsequenzen zog.


Geboren wurde Sona Cervena 1925 in Prag, und hier verbrachte sie ihre Kindheit in einem musischen, großbürgerlich-kosmopolitischen Elternhaus, in dem niveauvolle Zusammenkünfte im Freundeskreis mit Konzerten und literarischen Vorträgen an der Tagesordnung waren. Und in der Oper, im wundervollen großen Haus des Nationaltheaters, der so genannten «Goldenen Kapelle», zählte bereits die Zehnjährige zu den regelmäßigen Besuchern, weil das in einen Tenor verliebte Stubenmädchen der Cervenys das Kind ganz einfach mit in die Vorstellungen nahm. Was nicht ohne Folgen blieb: «Nach meiner ersten ‹Carmen› beschloss ich: Diese Partie werde ich singen! Und trug seitdem, gleichsam zur ...

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Opernwelt August 2006
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
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