Ein Zugvogel des 20. Jahrhunderts
Die Sensation war perfekt: «Ostberliner Opernstar geflüchtet», titelte am 11. Januar 1962 die «Nachtdepesche» in großer Aufmachung und berichtete von dem gelungenen Versuch der damals auch schon im Westen bekannten tschechischen Mezzosopranistin Sona Cervena, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Durch den Mauerbau – sein Beginn am 13. August 1961 jährt sich in diesem Sommer zum fünfundvierzigsten Mal – fühlte sie sich künstlerisch wie menschlich derart eingeengt, dass sie schließlich die Konsequenzen zog.
Geboren wurde Sona Cervena 1925 in Prag, und hier verbrachte sie ihre Kindheit in einem musischen, großbürgerlich-kosmopolitischen Elternhaus, in dem niveauvolle Zusammenkünfte im Freundeskreis mit Konzerten und literarischen Vorträgen an der Tagesordnung waren. Und in der Oper, im wundervollen großen Haus des Nationaltheaters, der so genannten «Goldenen Kapelle», zählte bereits die Zehnjährige zu den regelmäßigen Besuchern, weil das in einen Tenor verliebte Stubenmädchen der Cervenys das Kind ganz einfach mit in die Vorstellungen nahm. Was nicht ohne Folgen blieb: «Nach meiner ersten ‹Carmen› beschloss ich: Diese Partie werde ich singen! Und trug seitdem, gleichsam zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...
Am Montag, dem 12. Juni befand ich mich am frühen Abend mit dem Auto in der Nähe des Holledauer Dreiecks. Links und rechts Hopfenfelder. Um sechs Uhr meldete der Nachrichtensprecher im Radio: «Der Komponist György Ligeti ist heute Vormittag in Wien gestorben. Er war dreiundachtzig Jahre alt.» Die Nachricht wirkte auf mich wie Schock, überwältigend trotz der langen...
Zwischen «heroischer Komödie» und «trauriger Operette» – Philipp Himmelmanns Bremer Bühnenrealisierung zeigt, getragen von Hermann Feuchters Bild- und Gesine Völlms Kostümentwürfen, viele Facetten des «Don Quichotte»: Die parodistisch auftrumpfende Farbigkeit der Szenen um Dulcinée, den in strenger Schwarz-Weiß-Manier gehaltenen Kampf mit den Windmühlen, den...
