Bolschoi & Co. entdecken Mozart
Mozart-Opern spielten in Moskau lange Zeit überhaupt keine Rolle. Erst mit dem aktuellen Mozart-Jahr scheint dieser weiße Fleck allmählich zu verschwinden. So gibt es gleich zwei verschiedene Deutungen der «Zauberflöte» zu besichtigen. Das Bolschoi Theater zeigt eine Inszenierung von Graham Vick. Er präsentiert eine amüsante, stilvolle und lebendige Deutung voller Anspielungen auf die Moskauer Realität. In die Tiefen des Werks vorzudringen hatte sich Vick aber offensichtlich nicht vorgenommen. Gesungen wurde passabel, aber nicht sehr textverständlich.
Dirigent Stuart Bedford leitete die Aufführung akademisch, ohne eigene Gestaltung. Die meist russischen Sänger offenbarten verschiedene Akzenthärten, der Österreicher Florian Bösch fühlte sich in der Rolle des Papageno als Superstar und glaubte deshalb, sich jede Geschmacklosigkeit leisten zu können.
In der Neuen Oper setzte sich Achim Freyer einmal mehr mit der «Zauberflöte» auseinander. Hinter der Fassade ausgelassener, lustiger und sogar übermütiger Betriebsamkeit (die Dialoge wurden in russischer Sprache gegeben) verbarg sich ein düsterer, pessimistischer Gehalt. Hier war in jeder Szene die Hand eines großen Künstlers zu spüren. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass sich mit lizenzfreien historischen Aufnahmen ein schneller Euro machen lässt, hat sich unterdessen herumgesprochen, und die Billig-Labels sprießen wie Pilze aus dem Boden. Da werden die Archive der Rundfunkanstalten geplündert, dass man nur staunen kann. Meist wird dabei gedankenlos abkopiert, für klangtechnische Verbesserungen ist ebenso wenig Geld da wie für...
Die Bühne ist leer. Kein Thron, kein Schloss, kein Wald. Nur dieser große, dunkle Kasten, mit einem leeren Podest in der Mitte. Von der Seite fahren manchmal Paneele auf die Szene, geräuschlos, wie von Geisterhand geführt. Abstrakte Schutzschilder, hinter denen bald Macbeth und die Lady, bald Duncan, Banquo oder Macduff auftauchen und wieder verschwinden....
Seit 1997 bietet das «Festival Amazonas de Ópera» jährlich ein mit Bedacht gemischtes Programm, darunter nicht nur das gängige Repertoire, sondern etwa im Vorjahr den in grandios konzentrierter Anstrengung gestemmten «Ring»-Zyklus, die erste brasilianische Gesamtaufführung (siehe OW 7/2005). Natürlich finden sich auch Werke einheimischer Komponisten, von Carlos...
