Chinesische Kontraste

Das Beijing Jingjiu Theater zeigt in Berlin eine weihevolle Hommage an die Peking-Oper-Legende Mei Lanfang, bei der komponierenden Performerin Liu Sola mutiert die Kulturrevolutionärin und Mao-Witwe Jiang Qing zur postmodernen Kunstfigur

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In den Kulturmetropolen Nordamerikas und Europas ist Kunst aus China gegenwärtig le dernier cri. Mit dem Aufstieg der Milliarden-Nation zur Wirtschafts­supermacht ist auch das Interesse an Erzeugnissen des sich zaghaft der Aufsicht durch die kommunistische Partei entwindenden chinesischen Kulturbetriebs sprunghaft angewachsen.

Die Regisseure Chen Kaige, Zhang Yimou und Zhan Yuan zählen inzwischen zum internationalen Film-Establishment, Bilder der Maler Zhang Xiaogang und Yue Ming erzielen auf New Yorker Auktionen sechsstellige Dollarpreise, die Komponisten Tan Dun und Cong Su werden als Neue-Musik-Stars durch westliche Klassiktempel gereicht. Die Regierung in Beijing hat erkannt, dass ihr ein solcher Kulturtransfer eher nutzt als schadet – gleichsam als PR-Kampagne, mit der sich die staats­kapitalistisch gewendete Diktatur von Maos Gnaden im Westen als weltoffenes Gemeinwesen präsentieren kann.
Ohne die vor dreißig Jahren, nach dem Ende der Kulturrevolution, eingeleitete Liberalisierung der schönen Künste hätte wohl auch das Berliner Haus der Kulturen der Welt keine Chance gehabt, von März bis Mai ein mehrwöchiges Festival mit zeitgenössischen Proben aus den Ateliers, ...

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Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Magazin, Seite 22
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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