Alle Menschen werden Brüder. Oder auch nicht.
Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Uraufführungsbedingungen fordern, sondern dass das jeweilige Werk seiner Rezeptionstradition angepasst werden solle. Bei Mozarts «Zaïde» KV 344/336b freilich laufen sie ins Leere.
Denn dieses mysteriöse Fragment aus der Zeit um 1780 wurde zu Mozarts Lebzeiten nicht aufgeführt. Auch hat es kaum Rezeptionsgeschichte.
Fünfzehn Musiknummern umfasst das Autograph; relativ unverbunden stehen sie nebeneinander, da das Originallibretto des Johann Andreas Schachtner mit vermutlich sehr ausführlichen Dialogen verschollen ist. Auch eine Ouvertüre und der Schluss fehlen. Versuche des Offenbacher Verlegers Anton André, das Werk 1838 mit Hilfe des Theaterautors Anton Gollmick zu reaktivieren, waren wenig erfolgreich. 1936 entdeckte der Musikwissenschaftler Alfred Einstein ein 1779 in Bozen gedrucktes Libretto zu einem «Serail»-Singspiel von Joseph Friebert, das ...
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Der bemerkenswerteste Versuch, Monteverdis «Poppea» den Händen von Barockspezialisten zu entwinden und dem musiktheatralischen Mainstream zuzuführen, war 1976 in Paris zu verfolgen, als Gwyneth Jones die Titelpartie sang, Jon Vickers den Nerone gab und Christa Ludwig als Ottavia, Richard Stilwell als Ottone sowie Nikolai Ghiaurov als Seneca auf der Bühne standen....
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu...
