Flachrelief und Improvisation
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu solchen Gedanken wird man durch zwei neue Inszenierungen von Verdis «Simon Boccanegra» angeregt, die an der Nederlandse Opera Amsterdam beziehungsweise an der Pariser Bastille-Oper herausgekommen sind.
Es bietet sich für eine schnelle Dramaturgie natürlich an, die politische Szenerie des gegenwärtigen Italien à la Berlusconi und Prodi auf das Melodramma von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito zu projizieren. Das auf den ersten Blick große Durcheinander in der Handlung entspricht durchaus der gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Realität, auch wenn man den Giftmord(versuch) inzwischen an andere Länder abgetreten hat, siehe Ukraine. Doch solche hurtigen Parallelisierungen tangieren bestenfalls die Oberfläche der Geschichte. Wenn Verdi den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern im Genua des frühen vierzehnten ...
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Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Uraufführungsbedingungen fordern,...
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In den Planungen liegt das Jahr 2008 bereits hinter uns – und wir wissen nicht, wie wir es bezahlen sollen....
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