Bunter Spaß

Frankfurt | Chabrier: L’Étoile

Opernwelt - Logo

Es gehört zu den Unverständlichkeiten des Opernbetriebs, dass ein dramaturgisch so gut gebautes und musikalisch so brillantes Werk wie Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» bis vor Kurzem gänzlich vergessen war. Nach Genf, Berlin und Bielefeld hat nun auch die entdeckungsfreudige Oper Frankfurt das Stück rehabilitiert. Man hat keinen Aufwand gescheut, die verdienstvolle kritische Neuausgabe von Hugh Macdonald gespielt und ein Team zusammengebracht, das den Besonderheiten wie den Qualitäten von Chabriers musikalischem «Stern» in jeder Hinsicht gerecht wurde.



Regisseur David Alden und Ausstatter Gideon Davey versetzen die grotesk-komische Handlung um König Ouf I., den Straßenhändler Lazuli und die Prinzessin Laoula in eine popbunte Bilderwelt, würzen sie mit Anleihen bei Comedy, Revue und Show, lösen die Aktionen immer wieder in tänzerisch choreografierte Szenen auf und bleiben doch stets ganz nah an den von Chabrier mit leichter Hand modellierten Figurentypen des Boulevardtheaters. Da erinnert gleich eingangs der schwarz kostümierte Herrenchor an Mafiosi, tritt Ouf inkognito als Straßenarbeiter mit Kickboard auf, katapultiert die Unterbühne den schwergewichtigen Hofastrologen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Drei Ansichten

Am 18. Februar 2012 wird es zehn Jahre her sein, dass sich auf der Bühne der Met eine «Audrey Hepburn mit Stimme» vorstellte: die damals 31-jährige Anna Netrebko in der Rolle der Natascha in Sergej Prokofjews «Krieg und Frieden». Zur Vorfeier dieses «Jubiläums» präsentiert sich die schöne Russin, inzwischen unter den Berühmten die Berühmteste, mit einem Album «Live...

«Zur Besinnung kommen»

Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der...

Königin aus der Luft

Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als an­ders­wo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...