Königin aus der Luft
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und grinst dabei bis über beide Ohren. Ganz so wie Katharina Thalbach im Programmheft zur Freiluft-«Zauberflöte» am Wannsee, die auf Anhieb rund 40 000 Zuschauer lockte.
Schiebermütze, wirres Haar, die Brille neckisch Richtung Nasenspitze geschoben, blinzelt die um kein Klischee und keinen Kalauer verlegene Spaßkanone der Opernregie aus dem PR-Foto. In drei Jahren wird sie sechzig, aber noch immer steht ihr der Schalk einer Zille-Brecht-Göre ins Gesicht geschrieben. Genau die Richtige, dachten sich die Erfinder der ersten Berliner «Seefestspiele», um das philosophisch verrätselte «Machwerk» von Schikaneder und Mozart auf die Sommerbühne zu wuchten.
Tiefsinnige Deutungsversuche zu Freimaurersymbolik und altägyptischen Mysterien, Prüfungslogik und Initiationsriten darf man da natürlich nicht erwarten. Aber die wären für ein Publikum, ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Albrecht Thiemann
Zwei Jahre ist es her, dass Salvatore Licitra in einem Gespräch mit der Berliner «B.Z.» auf seine Leidenschaft für Motorräder angesprochen und gefragt wurde, ob er keine Angst vor einem Unfall habe. «Schon, aber was passieren soll», erwiderte er, «passiert. Ich genieße mein Leben.» Am 27. August erlitt er in der Nähe von Ragusa während einer Fahrt mit einem...
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des...
Unmittelbar nach der legendären Mailänder Wiederbelebung von Donizettis «Anna Bolena» durch Luchino Visconti und Maria Callas gab es im Oktober 1957 in New York eine konzertante Aufführung mit Gloria Davy und Giulietta Simionato. Seitdem stand das Stück immer wieder einmal auf dem Programm. 1966 nahm es die American Opera Society mit Elena Suliotis, Marilyn Horne,...
