Blindflug
Die Karriere der belgischen Sopranistin Anne Cambier beschränkt sich keineswegs auf die Benelux-Länder. Als Solistin bei Les Arts Florissants, als Gast bei Musica Antiqua Köln, La Petite Bande oder der Academy of Ancient Music gehört sie zum inneren Kreis jener Spezialistinnen, die mit nicht zu großer, schlackenloser, glockig heller Stimme zuverlässig ein bestimmtes Segment der Alten Musik bedienen.
Die 13 für ihr aktuelles CD-Recital ausgewählten Mozart-Lieder, darunter auch weniger einschlägige wie «Die betrogene Welt», «Die Zufriedenheit» und «Komm, liebe Zither», singt sie mit frischer, gerader, beneidenswert klangvoller und ausgeglichener Stimme. Bei «Un moto di gioia» ist der Ton freudig und unbeschwert, in «Oiseaux, si tous les ans» zwitschert sie um die Wette mit sich selbst. Die «Abendempfindung» wird durch keinen Anflug von Todesahnung getrübt. Mit anderen Worten: Hier liegt eine unbekümmert schöne, dank Jan Vermeulen am Fortepiano historisch aufgeklärt wirkende Deutung ohne jedes tiefere Verständnis vor. Nicht nur bei Goethes «Veilchen» hat man Mühe, den Worten zu folgen, gar den Sinn des Textes nachzuvollziehen.
Verlegt sich eine Sängerin derart auf ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
Im Mai 1877 war Giuseppe Verdi in Köln, eingeladen von Ferdinand Hiller, um dort beim Niederrheinischen Musikfest seine «Missa da Requiem» zu dirigieren. So weit, so bekannt. Am 23. Mai speisten die Ehepaare Verdi und Hiller gemeinsam zu Mittag, abends besuchte man eine Aufführung von Schillers «Verschwörung des Fiesko zu Genua» – ein Gastspiel der damals...
Die Deutsche Oper Berlin lehnt sich weit aus dem Fenster mit ihrem tatkräftigen Drang nach Modernität, Abkehr von Konventionen, aktuellen Bildwelten. Die beiden letzten Mozart-Premieren etwa vergab sie an Schauspielregisseure, die zum ersten Mal Oper inszenierten. Rodrigo García entfachte zum Finale der vorigen Spielzeit einen monströsen Lifestyle-Wirbel um die...
Der Film sei die Oper des 20. Jahrhunderts, weiß ein gern bemühtes Bonmot. Ganz falsch ist das nicht – auch wenn die vermeintlich sterbensbleiche alte Tante aus Florenz und Mantua sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut. Was als Gesamtkunstwerk funktioniert, ist offenbar so schnell nicht totzukriegen. Egal ob es vor mehr als 400 oder vor gut 100 Jahren in die...
