Beziehungsprobleme
Die Deutsche Oper Berlin lehnt sich weit aus dem Fenster mit ihrem tatkräftigen Drang nach Modernität, Abkehr von Konventionen, aktuellen Bildwelten. Die beiden letzten Mozart-Premieren etwa vergab sie an Schauspielregisseure, die zum ersten Mal Oper inszenierten. Rodrigo García entfachte zum Finale der vorigen Spielzeit einen monströsen Lifestyle-Wirbel um die «Entführung aus dem Serail». Nun, zum Saisonstart, gab man Robert Borgmann das Dramma giocoso «Così fan tutte».
Borgmann, Jahrgang 1980, hat Sprechtheater in Zürich, Köln, München und am Berliner Gorki-Theater realisiert, Produktionen aus Stuttgart und Wien zum Berliner Theatertreffen befördert. An der Deutschen Oper ist Borgmann auch sein eigener Bühnenbildner – da beginnen die Probleme.
Denn seine Collage-Ästhetik in surrealistischer Bühnenlandschaft ist kaum geeignet, die konfliktreich austarierte Seelenwelt der zwei ineinander verkeilten Mozart-Paare einzufangen, zu spiegeln oder mit Tiefenbedeutung aufzuladen. Das geht bei der Ouvertüre bildschön los, mit einem bühnenhoch wehenden gelben Vorhang, auf dem das applizierte Wort «Youth» eine junge, feurige Opernaffäre verspricht. Aber bald machen sich disparate ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wolfgang Schreiber
Am Anfang deutet alles auf eine konzertante Aufführung: Das Orchester befindet sich auf der Bühne, davor ein befrackter Gurnemanz. Tatsächlich beginnt jedoch ein «Parsifal» von außergewöhnlichem Format – eine Aufführung, die den ganzen ersten Akt zwischen Oper und Oratorium in der Schwebe hält, entsprechend dem im Stück angelegten ständigen Wechsel von epischen und...
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges...
Ja, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: «Überhaupt irrt man», schrieb Mozart an den Kapellmeister Johann Baptist Kucharz, «wenn man denkt, dass mir meine Kunst so leicht geworden ist ...». Und der Wiener Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel vermerkte in seinem Buch «Apropos Musik» ein wenig flapsig, wer Mozart leicht fände, den solle der Lortzing holen....
