Auf Springteufel komm raus
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges Insert im Fernsehprogramm, ein leuchtend roter El Greco, nicht ohne Eleganz also, nur leider mit eklatantem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.
Ganz famos dribbelt und klettert, tänzelt und schwebt der geradezu akrobatische Florian Anderer durch den Bühnenraum, er zippelt und zappelt und grimassiert den ewigen Tollpatsch. Mit einem solchen Hanswurst ist kein Blumentopf zu gewinnen. Dass er als Schlusspointe Agathe unter den Brautrock schlüpft, um auf doch noch wahrhaft diabolische Weise in ihren Körper zu fahren – so viel Grips war ihm weiß Gott nicht zuzutrauen.
Denn IQ-mäßig schenkt sich der Fürst der Finsternis nicht viel mit den bäuerlichen Bodentruppen: Victoria Behr hat sie in quietschbunte Tracht gekleidet, kunstvolle Botanik auf den Köpfen; Kuno und sein Waidmannspersonal leiden unter primatenhafter Gesichtsbehaarung. ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Clemens Prokop
Er war kein Heldentenor aus dem Bilderbuch. Keine Stimmtrompete, die alles zu überstrahlen suchte. Wenn Johan Botha Otello, Kalaf oder Siegmund sang, verblüffte ein jugendlicher, zarter, mitunter verletzlicher Ton. Auch in Bayreuth, wo der aus Südafrika stammende Wahl-Wiener von 2013 bis 2015 Wagners Wälsung verkörperte. Anja Kampe, «seine» Sieglinde, würdigt...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Anatevka: 5., 25.
– Verdi, Macbeth: 13. (P), 19., 27.11.; 8., 11., 21.12.; 6.1.; 10., 15.2.; 1.3.; 22.4.
ML:...
Im Mai 1877 war Giuseppe Verdi in Köln, eingeladen von Ferdinand Hiller, um dort beim Niederrheinischen Musikfest seine «Missa da Requiem» zu dirigieren. So weit, so bekannt. Am 23. Mai speisten die Ehepaare Verdi und Hiller gemeinsam zu Mittag, abends besuchte man eine Aufführung von Schillers «Verschwörung des Fiesko zu Genua» – ein Gastspiel der damals...
