Bayreuther Meilensteine
Zum Wesen des Skandals gehört eine Halbwertzeit, die gegen null tendiert. Je größer die Aufregung, je lauter das Gebrüll, desto schneller ist die Querele verflogen. Oft kann man sich schon wenige Tage nach den Tumulten nicht mal mehr genau an den Casus Belli erinnern. Plötzlich gilt die soeben noch heftig befehdete Sache als hip, man jubiliert, gibt sich mit dem Zeitgeist auf Du und will von Schmäh nichts mehr wissen. So war es immer. Bayreuth bildet da keine Ausnahme.
Der prominenteste Nachkriegsskandalfall: Götz Friedrichs «Tannhäuser»-Inszenierung von 1972.
Besonders die Chorbilder, etwa die «lederbemantelten» Mannen Hermanns im ersten Akt, hatten Alt-Wagnerianer und konservative Politiker in Wallung versetzt. Man drohte gar mit Subventionsstopp. «Offenbar» hatten die Anhänger des Landgrafen «Assoziationen an Gestapo- und Sicherheitsdienst-Leute» hervorgerufen, mutmaßt Wolfgang Wagner in seinen 1994 veröffentlichten Memoiren («Lebens-Akte»). Als die Choristen zum Schluss-Tableau auch noch in proloverdächtigen Kutten antraten, schrien die Traditionalisten erst recht zetermordio. Ein Ost-Berliner Regisseur, so das Verdikt der Gralshüter, schicke eine rote Arbeiterkampfgruppe vor, ...
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Die exorbitanten Benzinpreise hatten offenbar auch viele sonst im eigenen Gefährt anreisende Besucher des Festivals von Glyndebourne dazu veranlasst, wie in alten Zeiten den Zug zu benutzen. Auf jeden Fall war der oben beim Ausgang der pittoresken Bahnstation von Lewes wartende Zubringerbus, ein geräumiger Doppeldecker, bald überfüllt und ließ etwa zwei Dutzend...
Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jaroussky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barockopern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarousskys Porträtalbum, das die stimmliche und...
