Nach Sonnenfinsternis

Gerhard Persché über die Uraufführung von Peter Eötvös’ Musiktheater «Love and Other Demons» in Glyndebourne

Opernwelt - Logo

Die exorbitanten Benzinpreise hatten offenbar auch viele sonst im eigenen Gefährt anreisende Besucher des Festivals von Glyndebourne dazu veranlasst, wie in alten Zeiten den Zug zu benutzen. Auf jeden Fall war der oben beim Ausgang der pittoresken Bahnstation von Lewes wartende Zubringerbus, ein geräumiger Doppeldecker, bald überfüllt und ließ etwa zwei Dutzend Menschen zurück, die ihr Heil bei Taxis suchen mussten.

In unserem Falle durchaus ein Gewinn, denn der Fahrer, ein Mann von bukolischer Lebensfreude, erwies sich als amüsanter Cicerone in Sachen Sussex Downs im Allgemeinen und Festival im Besonderen.
So erfuhren wir unter anderem, dass Gus Christie (44), Enkel des Glyndebourne-Gründers und seit einigen Jahren Executive Chairman des Festivals, auch ein sehr guter Cricketer sei: «He could have been a very good profession­al, you know.» Und in der Tat präsentiert Gus sich auf dem Foto des Vorworts zum wie immer opulenten Programmbuch in Jeans und weichem blauen Baumwollhemd betont sportlich, weist Smoking und Fliege sozusagen weit von sich – eine optische Bestätigung seiner dem Vorwort als Headline vorangestellten Deklaration, die Leidenschaft Glyndebournes gelte der Oper nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele I, Seite 28
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schotten ohne Schotter

Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...

Schöne neue Sachlichkeit

Auch wenn Mussorgsky seine «Chowansch­­tschina» weder instrumentieren noch beenden konnte (das Finale des 2. Bildes und der Schlusschor fehlen): Ein zusammenhang­loser Bilderbogen aus Versatzstücken russischer Geschichte, wie oft behauptet, ist diese dicht gefügte, aber mit Shakespeare’scher Personenvielfalt gesegnete Tragödie über den Putsch und Fall der Fürsten...

Des Kaisers lange Beichte

Alle reden vom Auge, seitdem James Bond die Seebühne zum Abenteuerspielplatz seiner Verfolgungsjagden erkor und das ZDF-Plaudertrio uns vor der «Tosca»-Kulisse die Fußball-EM erklärte. Wer immer auf die begnadete PR-Idee kam, Film- wie Fernsehleute ans Bregenzer Ufer zu locken – er hat sich bleibende Verdienste um die weitere Kommerzialisierung der südöstlichen...