Generalprobe
Das hat es bisher noch nicht gegeben: Klassik-Pop vom Grünen Hügel. Katharina Wagner macht’s möglich. «Sie liebt rockige Musik und Fitness», sagt der Erzähler in Dagmar Krauß’ achtzigminütiger Filmdokumentation über die Arbeit an der erstmals 2007 zur Diskussion gestellten «Meistersinger»-Produktion, mit der die jüngste Tochter Wolfgang Wagners ihren Anspruch auf das Erbe des Vaters auch künstlerisch zu unterstreichen sucht. Während der Vorspann läuft, schallen Klavier und Drums aus den Boxen.
Coolen Beats, mit viel Streichersülze und Chorschmalz angereichert, begegnen wir immer dann, wenn, in rasantem MTV-Schnitt, der unstillbare Tatendrang der Regisseurin (und faktischen Interimschefin des Festspielbetriebs) rüberkommen soll. Was da im Hintergrund dudelt, ist mit Bedacht ausgewählt: «Dangerous Adventure», «Great Achievement», «Against all Odds» lauten die Titel der Songs. Auf dass niemand die Botschaft verpasse: Die Kathie, die packt’s.
Und zwar in allen Lebenslagen. Autogramme vor der Eröffnungspremiere, Vortrag vor dem Bühnenmodell, Erläuterungen zum Stück, zu den Figuren, zum Thema Opernregie, in Aktion mit Sängern und Choristen – diese Frau wird mit jeder Situation fertig. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Città del festival» steht auf dem Ortsschild von Martina Franca. Zu Recht, denn eine Reise in das reizvolle Itria-Tal in Süditalien lohnt, weil man Werke hören kann, deren Titel man sonst, wenn überhaupt, nur aus Lexika kennt. Jeweils drei Opern stehen von Mitte Juli bis Anfang August für je zwei Vorstellungen unter freiem Himmel im Innenhof des Palazzo Ducale mit...
Die nicht zum Bayreuther Kanon zählenden Frühwerke Wagners sind in den Vereinigten Staaten nie auf einen grünen Zweig gekommen. «Rienzi» hatte während der ersten Welle der amerikanischen Wagner-Begeisterung (1886-1890) eine kurze Blütezeit an der Met, danach ist das Stück kaum mehr gespielt worden. Die New York City Opera präsentierte 1982 in halbszenischen...
Das Gefühl, dass früher alles besser war, entspringt in der Regel eher dem Unbehagen an der unübersichtlichen Gegenwart oder dem Willen zu nostalgischer Verklärung als überprüfbaren Fakten. Vergleicht man das Niveau des Wagner-Gesangs heute mit dem der Vorkriegs- und ersten Nachkriegsjahrzehnte, kann man gleichwohl ins Grübeln kommen. Der Daland, Landgraf oder...
