Aus dem Skizzenheft
Im Grunde genügt ein kurzer Blick ins Autograph, um zu verstehen, warum Franz Liszts unvollendete Oper «Sardanapalo» ihr Dasein lange Zeit nur als musikwissenschaftliche Fußnote fristete. Was der Komponist da in den späten 1840er-Jahren mit hellbrauner Tinte in sein Notizbuch schrieb, ist kaum mehr als ein ausgearbeitetes Fragment: Noten und Text sehen aus wie «gezeichnet», hier und da findet sich, in blauer Buntstiftfarbe, eine Notiz am Rand. Musikalische Ideen sind auf den 111 Seiten nur angedeutet, Liszts Handschrift ist entweder unleserlich oder voller Abkürzungen.
Generationen von Musikwissenschaftlern haben sich diese seit mehr als 100 Jahren im Weimarer Goethe-und-Schiller-Archiv gelagerten Entwürfe zu einem ersten Akt angeschaut – und sie bald wieder beiseite gelegt. «Sardanapalo» galt als zu lückenhaft, um ediert zu werden. Dass jetzt ein Musikwissenschaftler aus dem englischen Cambridge, David Trippett, genau das gewagt hat, ist allein deshalb schon eine kleine Sensation. Mitte August wurde seine «Bearbeitung», wie er die Orchesterfassung bescheiden nennt, durch die Staatskapelle Weimar unter Leitung von Kirill Karabits konzertant uraufgeführt. Rund 50 Minuten dauert das ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Hannah Schmidt
In der an tumultuarischen Premieren- und Uraufführungskrächen nicht armen Musikgeschichte gehört der 31. März 1913 zu den Top Acts. Bei einem von Arnold Schönberg dirigierten Konzert im Großen Musikvereinssaal zu Wien stehen neben Schönbergs erster Kammersymphonie die «Sechs Stücke für Orchester» von Anton Webern, die Nummern 2 und 3 aus Alban Bergs «Fünf...
Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im...
JUBILARE
Alfred Kuhn absolvierte seine Ausbildung an der Musikhochschule von Frankfurt/Main. Sein erstes Engagement führte ihn 1963 nach Darmstadt, wo der Bass 15 Jahre Ensemblemitglied war. 1978 wechselte er an die Deutsche Oper am Rhein, von 1983 bis 2012 gehörte er zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper. Hier begeisterte er sein Publikum u. a. als Frank in...
