Der Glücksucher
In der an tumultuarischen Premieren- und Uraufführungskrächen nicht armen Musikgeschichte gehört der 31. März 1913 zu den Top Acts. Bei einem von Arnold Schönberg dirigierten Konzert im Großen Musikvereinssaal zu Wien stehen neben Schönbergs erster Kammersymphonie die «Sechs Stücke für Orchester» von Anton Webern, die Nummern 2 und 3 aus Alban Bergs «Fünf Orchesterliedern nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg» sowie Lieder von Zemlinsky und Mahler auf dem Programm.
Gelächter, Zischen, Unruhe schon bei Webern und Schönberg; der gemäßigte Zemlinsky beruhigt das Publikum etwas. Während der Aufführung von Bergs Liedern gibt es dann kein Halten mehr: Es setzt Ohrfeigen, die Polizei muss einschreiten, das Konzert wird abgebrochen, einige Kombattanten treffen sich später vor Gericht.
Die Szene gehört in jede Berg-Biografie. Auch in die von Barbara Meier, ohne dass sie dort überzeichnet wird. Vielleicht verzichtet Meier deshalb bewusst auf die Pointe, dass im Publikum der Operettenkomponist Oscar Straus anwesend ist, der später als Zeuge vernommen wird und, gefragt, ob er die Ohrfeige gehört habe, antwortet: «Sicher […], ich habe sie auch vernommen, denn sie war das weitaus ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Götz Thieme
Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich...
Der Komponist wollte das Stück nicht im Repertoire sehen – «Libuše» sollte besonderen Anlässen, nationalen Feierlichkeiten reserviert bleiben. Zwar haben es Regierungen aller Couleurs auch so gehalten, und das in heroischen Sekundintervallen wabernde Thema der Ouvertüre dient seit 1918 sogar als offizielle Fanfare des tschechoslowakischen, inzwischen bloß noch...
Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den...
