Melancholie, mon amour
Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im bügelfaltenfreien cremefarbenen Anzug, Don Ottavio (Artjom Korotkov), ein leicht blässlicher Gentleman, allzeit bereit, der Dame seines Herzens beizustehen.
Die Frage ist nur: Stammt das neue Menschenkind von ihm?
Die Antwort auf diese pikante Frage erhalten wir wenige Opernminuten später. Der Komtur ist tot. Seine Tochter, mittlerweile im schwarzen Doňa Rosita-Kleid, ihr Verlobter und ein Knabe in kurzen Hosen (Ivan Karabits) trauern lilienbewehrt vor seinem Bildnis, während der Mörder immer noch mit der Pistole herumfuchtelt, die zuvor den Adeligen proletarisch kaltblütig zur Strecke brachte. Es ist die Haarfarbe des Jungen, die alles erklärt. Flammendes Rot, wie bei seinem Vater – wie bei Don Giovanni.
Der ist in Demis Volpis zunächst spielerisch-humoriger, dann hintersinnig-poetischer Inszenierung am Deutschen ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten
Coraggio! So würde man wohl südlich der Alpen konzis ausrufen angesichts eines radikalen Saisonstarts, wie ihn die Oper Frankfurt, frisch akklamiertes «Opernhaus des Jahres», hingelegt hat. Zwei Premieren binnen Wochenfrist, mit zwei zeitgenössischen Stücken, die meilenweit abseits der kanonischen Sicherheitszone liegen, in zwei eigenwillig-entschiedenen...
Der Kollege gab sich ziemlich ernüchtert. Die alte Fassung besitze doch eine «eigenartige, wilde Schönheit», urteilte Hans Werner Henze. An der neuen beklagte er die «Rückkehr zur Tonalität», weshalb der Urversion von Paul Hindemiths «Marienleben» aus dem Jahre 1923 unbedingt der Vorzug zu geben sei. Auch als Signal: Die junge Tonschöpfer-Generation habe...
Sie sind zwar bloß aus Papier oder Plastik, doch sie bergen tiefe Gefühle: Alljährlich im November stecken Briten sich im Gedenken an die Verheerungen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts Mohnblüten ans Revers. Der 11. November (an dem im Jahr 1918 der Erste Weltkrieg endete) ist «Remembrance Day», informell auch «Poppy-Day» genannt, in Anlehnung an das Gedicht...
