Auf Durchzug
Für jeden Versuch, Wagners «Ring» als realistisch-gesellschaftskritisches Musiktheater zu erzählen, ist der dritte Akte der «Walküre» die größte Hürde: Während sich die «Rheingold»-Personage problemlos auf moderne Hierarchiemuster übertragen lässt und selbst der Drache im «Siegfried» schon längst als Maschinenpopanz entlarvt worden ist, will sich für die Wotanstöchter nach wie vor kaum eine überzeugende Analogie im wirklichen Leben finden.
Wo wären denn so wilde Mädchen, die tote Krieger einsammeln und auf das Kommando eines alten Herrn hören?
Die Antwort, die Barrie Kosky an Hannovers Opernhaus auf diese Frage versucht, ist immerhin spektakulär: Seine Walküren haben ihre Rüstungen mit alten Lederjacken vertauscht und sich eine verlassene Tankstelle als Treffpunkt ausgesucht. Selbstbewusst reihen sich diese bösen Motorradbräute an der Rampe auf und schleudern ihre Hojotohos als Kampfansagen ans Publikum – so sehen Walküren im MTV-Zeitalter aus. Ein polarisierender Knalleffekt ist diese an die Werke des US-Underground-Sexfilmers Russ Meyer («Die Satansweiber von Titfield») erinnernde Viertelstunde allemal. Leider aber auch nicht viel mehr. Denn schon die blutbesudelten nackten ...
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Mehr als 250 Mitwirkende auf und hinter der Bühne, 490 Kostüme, 202 Perücken, 396 Paar Schuhe, 500 Kulissenteile, 42 Szenenbilder, 70 Bühnenfahrten – ein größerer Aufwand ist an der Norwegischen Nationaloper noch nie für eine einzelne Produktion getrieben worden. Geld spielte bei dieser verspäteten Uraufführung in Oslo, mit der das neue «weiße» Haus am Hafen...
Rauch. Tabakrauch. Das Licht im Zuschauerraum des Rokokotheaters Schwetzingen ist noch angeschaltet, da legt sich der beißende Geruch über die ersten Stuhlreihen. Als der Vorhang sich hebt, fällt der Blick auf den Rücken eines Mannes, der mit seiner Hornbrille spielt und Zigarre raucht. Die grauen Schwaden lassen seine Kindheit auferstehen – ein Junge, der auf dem...
Das gesamte Prozedere der Bestellung des neuen Intendanten war ziemlich undurchsichtig. Zunächst sollten Sie sich – sogar auf Wunsch der österreichischen Kulturministerin Claudia Schmied – ebenfalls bewerben, doch dann fanden Sie sich nicht einmal auf der Shortlist der Findungskommission.
Was ich dazu sagen möchte, hat nichts mit meiner Person zu tun, auch nichts...
