Alles spricht
Niccolò Jommelli, dessen Schaffensperiode sich von 1737 bis 1772 erstreckt, ist mit Abstand der begabteste und interessanteste italienische Opernkomponist jener Dekaden, ja sogar eine der bedeutendsten Erscheinungen des gesamten 18. Jahrhunderts», so David Kimbell in seinem Standardwerk «Italian Opera». Und der britische Gelehrte stellt fest: «Keinem andern großen Opernkomponist mit vergleichbar durchschlagender Wirkung auf die Zeitgenossen wird es so wie Jommelli verwehrt, seine Wirkung auf uns Nachgeborene auszuüben.
»
Diese Ausgrenzung dürfte auf die Ablehnung jenes Genres zurückzuführen sein, in dem Jommelli brillierte: der Opera seria. Kaum ein Vorurteil der Musikgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat sich als derart zählebig erwiesen wie das über jene Theaterform, die von den Zeitgenossen als «dramma per musica», also als «Drama für Musik» bezeichnet und verstanden wurde, und die bis heute als höfisch-dekorative Repräsentationskunst oder Tummelplatz sinnloser Sängereitelkeiten denunziert wird. Keine Opernkritik, die sich für ein Werk Händels, Glucks oder Mozarts begeistert, versagt sich den Seitenhieb auf die «lähmenden Konventionen» der Seria, denen sich diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Essay, Seite 42
von Sergio Morabito
Siehst du nicht mein fremdes Gesicht? Siehst du die fremden Augen nicht?» Sou Chong warnt Lisa, dennoch folgt sie ihm nach China. Und muss dort erkennen, dass die schöne Idee von der glücklichen Verbindung zweier Kulturen nicht aufgeht. Ende 1929 ging es zum ersten Mal ins «Land des Lächelns». Am Berliner Metropol-Theater, zwei Wochen vor dem Schwarzen Freitag. In...
Sänger seien – ausbildungsbedingt – schlechte Darsteller: Dieses Vorurteil habe er vor vielen Jahren in einem Interview zum Besten gegeben, berichtet Gerd Heinz im Vorwort zu seinem Grundlagenkurs «Der Sänger als Schauspieler». Statt Schelte von Opernseite trug ihm die Äußerung eine langjährige Tätigkeit als Hochschuldozent ein, der sich auch das nun im Henschel...
Der Bahnhofslautsprecher weiß es genau: Der Zug Nummer 1866 hat 148 Jahre Verspätung. Die Straßburger Premiere widerlegt die Ankündigung spielend und tanzend. Offenbachs Opéra bouffe «La Vie parisienne» (stimmt: Jahrgang 1866) ist in Wahrheit überpünktlich – meint: so genau auf dem Punkt, wie eine Vergegenwärtigung Maître Jacques’ nur sein kann. Die Deutsche Bahn,...
