Affektiver Glanz
«Die tote Stadt» ist derzeit geradezu ein Modestück auf den Spielplänen unserer Opernhäuser. Man muss nicht lange rätseln, warum. Dem perhorreszierenden Innenglanz dieser Musik kann sich niemand entziehen, und Futter für die Stimmen bietet Korngold mehr als genug. 1920 wurde das Werk des Junggenies in Hamburg und Köln gleichzeitig uraufgeführt und trat sofort einen Siegeszug an, der erst durch die Nazis beendet wurde. Die alte und neue Popularität der «Toten Stadt» verdeckt jedoch, wie vielfältig und komplex Korngolds Schaffen ist – in der Oper, aber auch weit darüber hinaus.
Bei einem von Arne Stollberg 2007 in Bern organisierten Symposion ging es deshalb zu Recht nur am Rande um «Die tote Stadt» (zu der Stollberg eine wichtige Monografie verfasst hat: siehe OW 6/2003). Untersucht wurde vielmehr ein breites Werkspektrum von der Klavier- und Kammermusik über Symphonik und die wenig bekannten Opern bis zur Film- und Schauspielmusik. Die siebzehn Beiträge sind nun in einem Sonderband der Reihe Text + Kritik erschienen.
In seinem Einführungsreferat umreißt Stollberg Korngolds «musikgeschichtliche Sendung». Diese «Sendung» hatte wesentlich mit dem zu tun, was Korngolds Vater, ein ...
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