Im Elfenbeinturm
An Busonis 1925 uraufgeführte Faust-Oper, einen Meilenstein der musikdramatischen Moderne, haben sich kleinere Theater bis heute selten herangetraut. Insofern gebührt dem erfolgreichen Versuch, das ebenso grandiose wie sperrige Stück Musiktheater auf die Bühne des Flensburger Hauses zu bringen, hohe Anerkennung. Eine Vorreiterrolle, die – man hofft es für das Werk – nicht ohne Folgen bleiben wird.
Operndirektor Jan Richard Kehl bekommt das monumentale Dreistunden-Opus gut in den Griff, wobei er theatertechnisch auch die zu mancher Vereinfachung zwingenden Abstecherverpflichtungen ins norddeutsche Umland nicht aus den Augen verliert. Der vom Rundhorizont umschlossene, nach hinten durch eine Bühne auf der Bühne sich öffnende Einheitsraum (Entwurf: Andreas Wilkens) stellt, mit Requisiten leicht abwandelbar, eine abstrakte Version von Faustens Studierzimmer dar, wenn man so will eine Art Elfenbeinturm, in dem er die Episoden der Handlung – den Pakt mit dem Teufel, die Konfrontation mit Gretchens Bruder Valentin in der Kirche, die Geschehnisse am Hof von Parma, das Zusammensein mit den Studenten in der Schenke und das Ende in Wittenberg – durchlebt oder vielleicht auch nur imaginiert. ...
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Frau Kozená, darf ich Ihnen ein Kompliment machen?
Magdalena Kozená:(verlegenes Lächeln)
Ihre Stimme scheint mir in den letzten Jahren farbiger geworden, kräftiger, voluminöser. Und vor allem fühlen Sie sich, wenn der Eindruck nicht trügt, in der Höhe wohler. Stimmt das?
(lacht) Ich hoffe, es ist so.
Um es anders zu sagen: Ihre Tessitura hat einen größeren Umfang....
Die Nachkriegsgeschichte der Frankfurter Oper in Form von Porträts ihrer leitenden Dirigenten zu schreiben, ist eine Aufgabe, die auch für einen erfahrenen Musikhistoriker eine große Herausforderung darstellen dürfte. Hilmar Hoffmann, der nun im fortgeschrittenen Alter diesen Versuch wagt, ist ein solcher Historiker nicht. Aber er hat einen Teil dieser Geschichte,...
Wanderer, kommst du an eine Kreuzung, so schlage das Kreuz: Mancher Passant im christlich-orthodoxen Bukarest deutet das Zeichen an, ehe er eine der brachial befahrenen Straßen überquert. Der Wanderer Ödipus konnte in vorchristlicher Zeit nicht danach handeln, und als ihm an einer Weggabelung im Parnass ein Wagen in die Quere kam, erschlug er nichtsahnend dessen...
