Die Zukunft hat begonnen

Dessau | Wagner: Lohengrin

Opernwelt - Logo

Den neuen Stil merkt man auf den ersten Blick: «Menschen gestalten – Zukunft bewegen», heißt es in großen weißen Lettern über der Bühne des Dessauer Theaters. Nachdem das Haus unter der Leitung von Johannes Felsenstein eine Trutzburg konservativer Repertoirepflege war, setzt das neue Leitungsteam auf Regietheater mit Aktualitätsanspruch.

Auf den Tag der deutschen Einheit hatte man die «Lohengrin»-Premiere angesetzt, und spätestens im dritten Akt, wenn über der Brautgemach-Szene der Slogan «Vertrauen in Deutschland» hängt, ist klar, dass Regisseurin Andrea Moses die Moral von der Geschicht’ durchaus auch auf die Berliner Republik bezogen wissen will. Vertrauen will man den Volksführern auf der Bühne zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr: Dass mit dem schmierigen Jungpolitiker Lohengrin etwas nicht stimmt, deuteten schon sein mit viel PR inszenierter Auftritt und erst recht sein unsauberes Verhalten beim Duell an.

In Dessau wird «Lohengrin» zum handfesten Politkrimi. Und wie in einem guten Krimi sind die scheinbar Guten am Ende die Bösen. Das ist verblüffend stringent, weil Andrea Moses ganz nah am Text bleibt. Das Negativ-Image Lohengrins etwa verträgt sich ausgezeichnet mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2009
Rubrik: Aus der Opernwelt, Seite 48
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine Nase für Talente

Herr Clémeur, Sie waren achtzehn Jahre lang Intendant der Vlaamse Opera in Belgien. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Intendant der Opéra national du Rhin?
Straßburg liegt im Herzen von Europa. Hier kamen schon immer wichtige Straßen zusammen. Deutschland ist ganz nah, auch die Schweiz ist nur ein paar Kilometer entfernt. Das Publikum ist sehr...

Astronomia trivialis

Was geschieht mit uns? Bewegen wir uns, werden wir bewegt? Kepler (Martin Achrainer) blickt inbrünstig gen Himmel, um den Gesetzen des Alls auf die Spur zu kommen, während auf der Bühne vorzugsweise die Drehscheibe rotiert. Man schreitet kaum, doch fühlt man sich schon weit. Assoziationen zu den Bewegungen der Planeten sind erlaubt in der szenischen Umsetzung von...

Ensemblepflege

Es gibt noch Theater, in denen ein Ensemble nicht dazu benutzt wird, um persönliche Eitelkeiten und falschen Ehrgeiz der Leitung zu bedienen. Glückliches Meiningen! GMD Hans Urbanek und Intendant Ansgar Haag wissen, was Ensemblepflege heißt. Der Spielplan am Südthüringischen Staatstheater ist auf die eigenen Sänger abgestellt, auf deren Können und Möglichkeiten....