Guten Abend, gute Nacht
Im dialektischen Sinn verhält sich das experimentelle Musiktheater «Lullaby Experience» passgenau zum diesjährigen Motto des Festivals «Frankfurter Positionen». Denn in Pascal Dusapins Musiktheater geht es gar nicht um «Grenzen der Verständigung», sprich: um Kommunikation oder deren Scheitern. Sondern um das Aufrufen und Verdichten frühester musikalischer und emotionaler Prägungen, jenseits von Sprache. Genauer gesagt, um die DNA des Wiegenlieds.
Ziemlich dunkel ist es im Frankfurter LAB, den Boden bedeckt eine dicke Schicht weißer Daunenfedern.
In der Mitte steht ein riesiges Bett, das mit dem Fußende im Boden zu versinken scheint, hinten hängt ein Mond von der Decke, daneben baumelt eine Schaukel herab, ein Clown sitzt reglos in einem Lichtkegel, sanfter Pyronebel trübt ein wenig die blaue Lichtstimmung, aus den im Raum positionierten Lautsprechern perlt das Geräusch von gluckerndem Wasser.
Es gibt kaum Sitzplätze; so ist gewährleistet, dass die Zuschauer unwillkürlich Teil der kindlichen Trance-Traumszenerie werden, Teil einer Raum-Klang-Installation, die im Lauf der ersten halben Stunde nur langsam in Bewegung gerät. Bei jedem Schritt plustern die Federn in alle ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Regine Müller
Ein Ganzes sollte dieser «Karl V.» werden, geschaffen aus der Sehnsucht, dass alles noch mal ganz und heil werde. Als Ernst Křenek 1929 auf Wunsch des Wiener Staatsoperndirektors Clemens Krauss mit der Konzeption begann, hatte der Nationalsozialismus längst Sympathisanten auch in Österreich. Ein Remedium gegen den Nationalismus sah Křenek in der übernationalen...
Donnerwetter! Da ist ein Blitzen, Brausen und Brummen in der Luft, dass man im Innersten zusammenzuckt. Verwundern darf es indes nicht. Die Furien sind da. Und sie sind furchtbar. Doch nur für denjenigen, dem sie hinterherjagen. Armida hingegen fühlt sich sicher in ihrer Nähe, sie giert geradezu nach der Präsenz, dem Beistand dieser Erinnyen. Und so klingt es...
Eine klaustrophobische Atmosphäre liegt über dem engen Hinterhof mit seinen verwaschenen Mauern und verwitterten Fensterläden. Regisseur Urs Häberli verlegt die Handlung von Janáčeks «Jenůfa» in ein beengtes Kleinstadtmilieu. Die Bewohner leben Tür an Tür; nichts von dem, was auf dem Hof vor sich geht, bleibt verborgen, stets ist ein Beobachter präsent, schier...
