Ungelöst, unerlöst
Adriana Hölszky brachte es auf den Punkt: «Es ist nicht die Frage, wie man zu einem Text kommt, sondern wie man rauskommt aus einem Text.» Was die Komponistin damit umriss, ist nicht weniger als ein zentrales Dilemma heutigen Komponierens. Kaum etwas ist dabei so verpönt wie die Abbildung einer literarischen Vorlage mit musikalischen Mitteln. Die so genannte «Literaturoper» hat ausgedient. Was freilich nicht heißt, Komponisten hätten keine Beziehung zur Literatur. Im Gegenteil. Große Texte regen an wie eh und je (wobei besonders die Antike hoch im Kurs steht).
Was sich verändert, ist der Umgang mit ihnen. Isabel Mundry etwa wagte sich kürzlich an die «Odyssee», wollte dabei «lesend komponieren» und «das Komponieren neu lesen». Basiserfahrungen für diesen Prozess freilich waren keine narrativen Erzählstränge, sondern ganz andere Erfahrungen: Kabuki-Theater, bei dem man als Europäer kein Wort versteht und trotzdem alles mitkriegt, oder William Forsythes Körpergrammatik. «Körperfahrungen und Bildimaginationen» schärfen für Mundry den Umgang mit Musiktheater. Deshalb formt sie ihre «Odyssee» über große Strecken mit rein instrumentalen Mitteln. Der Klang definiert sich durch seine ...
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Die Einträge fehlen in Deutschlands gängigen Opernhandbüchern. Zwischen Mussorgskyjs «Boris Godunow» und Nicolais «Lustigen Weibern» findet sich dort nichts. Wo eigentlich Josef Myslivecek hingehört, klafft eine Leerstelle im hiesigen Musikwissen. Wenn also die Kammeroper Schloss Rheinsberg den Böhmen auf ihre Festivalbühne brachte, tat sie, was in größeren...
Windsor ist überall. Jedenfalls als Soap. Als symbolischer Ort, wo sich selbst Royals in den Fallstricken des ganz normalen Alltagswahnsinns verheddern können. Wo hinter jeder Mauer Affären, Intrigen, Lug und Trug lauern. Wo das Leben, zumal das Liebesleben, unentwegt am Rande des Nervenzusammenbruchs entlangschrammt.
In diesem Sommer konnte man Windsor auch im Harz...
Es hatte der ganz große Wurf sein sollen. «Brandauer inszeniert Brecht & Weill», tönte die PR-Maschine schon Monate, bevor das Ereignis im nach langem Leerstand wieder halbwegs bespielbar gemachten Berliner Admiralspalast, dem ehemaligen Metropol-Theater, dann endlich stieg. Ein Star-Mime («Never Say Never Again», «Mephisto») kümmert sich, pünktlich zum...
