Windei: Brandauers «Dreigroschenoper» in Berlin
Es hatte der ganz große Wurf sein sollen. «Brandauer inszeniert Brecht & Weill», tönte die PR-Maschine schon Monate, bevor das Ereignis im nach langem Leerstand wieder halbwegs bespielbar gemachten Berliner Admiralspalast, dem ehemaligen Metropol-Theater, dann endlich stieg. Ein Star-Mime («Never Say Never Again», «Mephisto») kümmert sich, pünktlich zum fünfzigsten Todestag des – letzthin kaum mehr ins Rampenlicht gerückten – Bertolt Brecht, um die «Dreigroschenoper».
Mit einem Star-Ensemble, das zum ersten Mal auf episches Theater macht: Punkrocker Campino von den Toten Hosen ist Mackie Messer, Gottfried John («Acht Stunden sind kein Tag») gibt den alten Peachum, Katrin Sass («Goodbye, Lenin!», «Polizeiruf 110») dessen versoffene Gattin, die von der Wiener Burg zu Castorfs Volksbühne übergelaufene Birgit Minichmayr («Der Untergang») Polly Peachum. Und tout le monde aus Politik, Wirtschaft, Film und Fernsehen war gekommen, um sich die bald achtzig Jahre alte Sache mit dem Haifisch, dem Fressen, der Moral und den Huren von Turnbridge noch einmal vorführen zu lassen. Roter Teppich, Kamerateams, Prosecco-Flöten. Küsschen hier, Küsschen da. Ein Auflauf wie zur Eröffnung der ...
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