Der Melodiker

Rheinsberg, Myslivecek: Antigona

Opernwelt - Logo

Die Einträge fehlen in Deutschlands gängigen Opernhandbüchern. Zwischen Mussorgskyjs «Boris Godu­now» und Nicolais «Lustigen Weibern» findet sich dort nichts. Wo eigentlich Josef Myslivecek hingehört, klafft eine Leerstelle im hiesigen Musikwissen. Wenn also die Kammer­oper Schloss Rheinsberg den Böhmen auf ihre Fes­tivalbühne brachte, tat sie, was in größeren Häusern längst hätte besorgt werden müssen: Klugheit an die Stelle von Ignoranz treten zu lassen.

Brandenburgs saisonal tätiges Nachwuchssänger-Unternehmen verhalf der 1773 erstmals in Venedig beklatschten «Antigona» zur deutschen Premiere, nachdem es sich vorher der Kompetenzen des kooperierenden Nationaltheaters Prag versichert hatte.
Wenn das lieto fine, wie immer bei Opern des Seria-Typs, ein bisschen plötzlich kommt, wissen wir, dass die verwirrten Gefühle und miesen Winkelzüge, die uns zweieinhalb Stunden lang beschäftigt haben, auch nach diesen zehn Happy-End-Minuten nicht erledigt sind. Der Homo sowjeticus macht weiter, unten als Mitläufer, oben als Diktator. Regisseur Jiri Nekvasil hat den antiken Plot nämlich in ein osteuropäisches Politbüro verlegt, in dem Realsozialismus und Postkommunismus einander ähneln wie die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Frank Kallensee

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Ich war nicht vom Leben verwöhnt»

Sie stammte aus der Nähe von Posen und wurde 1915 geboren. 1938 de­bütierte Elisabeth Schwarzkopf am Deutschen Opernhaus in Berlin-Charlottenburg als Blumenmädchen im «Parsifal». Nachdem ihre Stimme zunächst falsch eingeschätzt wurde, fand sie in ­Maria Ivogün ihre wichtigste Lehrerin. Bereits während des Krieges machte sie zahlreiche Aufnahmen. 1946 begegnete sie...

Wundersame Belebung

Mut und echte Planungslust bewies der Verein Oper Schloss Hallwyl, als er sich für Bizets «La jolie Fille de Perth» entschied. Im Innenhof des schönsten Wasserschlosses der Schweiz im Aargau­ischen Seeland ist unter der Hand des Regisseurs Peter Schweiger und des musikalischen Leiters Douglas Bos­tock eine stimmungsvolle Produktion entstanden, die die stofflich...

Himmelwärts

Worte nützen gar nichts. Auch das verzückte Gesicht des jungen Dirigenten bleibt wirkungslos. Das Hauptthema im ersten Satz von Mendelssohns «schottischer» Symphonie kommt einfach nicht in Form. Es schaukelt unentschlossen zwischen den Taktstrichen. Kein Drive, kein Ziel, kein Ausdruck. Was tun? Die Blicke einiger Orchestermusiker richten sich verstohlen ins...