Gemischtes Doppel
«No hay caminos, hay que caminar» («Es gibt keine Wege, also geh») – hat Luigi Nono seine Raumklangkomposition für sieben Orchestergruppen betitelt. In Darmstadt hat der neue Intendant Karsten Wiegand das Werk an den Beginn seiner ersten Spielzeit gesetzt, als Prolog zu Claudio Monteverdis Oper «Il ritorno d’Ulisse in patria» – einer Aufführung, die programmatisch das Alte mit dem Neuen verknüpft und es sich zum Ziel setzt, gemeinsam mit dem auf die Bühne geholten Publikum neue Wege des Umgangs mit Musik zu erkunden.
Das ging zwar mit den zwanglos zwischen den Instrumentalgruppen umherwandelnden Zuschauern gründlich schief, weil Nonos fragile, ein Höchstmaß an Konzentration erfordernde Musik im Schuhgeklapper und Kleiderrascheln unterging, ergab aber nach der Pause durch die hautnah an den Zuschauerblock herangefahrene Szene – eine steil ansteigende Freitreppe – einen munteren Theaterabend.
Regisseur Jay Scheib hielt die Solisten zu konzentriertem, allerdings reichlich konventionellem Spiel an, ohne darum die Emotionen zu drosseln. Für Auflockerung sorgte revuehafte Komik – die aus dem Bühnenhimmel herabschwebenden Götter, der als Schmarotzer Iro lustvoll seine massige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert
Dass die Ordnung der Dinge ins Wanken und das Leben aus den Fugen geraten kann; dass man sich manchmal neu erfinden muss, ohne einen Schimmer, was dabei herauskommt – solche Erkenntnisse gehören zwischen Dortmund und Duisburg längst zum Alltagswissen. Das ehemalige Kohle- und Stahlrevier, bis in die 1970er-Jahre smogverhangenes und lautstark hämmerndes Herz der...
Die Suche nach verborgenen Schätzen der Musikgeschichte führte Cecilia Bartoli dieses Mal nach Sankt Petersburg. Dass westeuropäische Musiker seit den 1730er-Jahren am Zarenhof tätig waren und Opern nach italienischem Modell aufführten, ist seit Langem bekannt. Gehört hat diese Musik bisher wohl kaum jemand, nicht zuletzt aufgrund der desolaten Quellenlage: Die...
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...
