Traumtänze, Grenzgänge, Suchbilder
Dass die Ordnung der Dinge ins Wanken und das Leben aus den Fugen geraten kann; dass man sich manchmal neu erfinden muss, ohne einen Schimmer, was dabei herauskommt – solche Erkenntnisse gehören zwischen Dortmund und Duisburg längst zum Alltagswissen. Das ehemalige Kohle- und Stahlrevier, bis in die 1970er-Jahre smogverhangenes und lautstark hämmerndes Herz der bundesdeutschen Industrienation, weiß ein Lied zu singen vom permanenten Wandel. Gezwungenermaßen.
Die anhaltende Metamorphose des rostbraunen, staubgrauen Potts in ein Sozial- und Kulturlabor ist aus der Not geboren – Realität
einer (postindustriellen) Übergangsgesellschaft, die nach Perspektiven sucht.
Ideales Terrain also für ein «Festival der Künste», das existenzielle Krisen als Chance begreift. Das in leeren Maschinenhäusern oder auf Abraumhalden blüht, in den Brachen und Ruinen einer gar nicht so fernen Vergangenheit. Und dieses waste land nicht nur als Kulisse, sondern als Medium nutzt, um Verstand und Sinne für Grundfragen unserer Zeit zu schärfen. Schon während der ersten, 2002 von Gerard Mortier konzipierten Ruhrtriennale, prägte der künstlerische Dialog mit den stillgelegten Industriebauten und ihrer Geschichte ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von uwe Schweikert & Albrecht Thiemann
Herr Trinks, bevor Sie einem größeren Publikum bekannt wurden, haben Sie den langen Marsch durch einige Kleinstädte hinter sich gebracht. Wie viele junge Dirigenten tun das heute?
Mein Weg war der des klassischen deutschen Kapellmeisters. Diesen Weg schlagen immer noch viele junge Dirigenten ein. Sie fangen als Korrepetitoren an – sofern sie Klavier spielen...
Wenn es Sommer wird, müssen die Bilder weg. Da lächeln in den Foyers des Landestheaters nicht mehr die Ensemblemitglieder von den Wänden, ob aus Oper, Schauspiel oder Ballett. Dann gibt es einen Monat lang andere Fotos zu sehen: aus Antonio Cestis «L’Argia», Francesco Cavallis «Giasone», Antonio Sartorios «Giulio Cesare» oder aus Johann Adolph Hasses «Solimano»....
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
