Glanz und Staffage
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der musikalischen Leitung von Antonio Pappano im Juli 2012 am Londoner Royal Opera House (siehe OW 8/2012). Der jetzt auf DVD vorliegende Mitschnitt kann vor allem durch eine bis in die kleinsten Partien rollendeckende Besetzung punkten.
Anna Caterina Antonacci hat die den Untergang Trojas voraussagende Cassandre schon in mehreren Inszenierungen verkörpert und ist auch hier in jeder Hinsicht überragend – darstellerisch als verzweifelte Prophetin des Unheils, die alle Facetten der komplexen Figur von der Schwarzseherin bis zur liebenden Frau, von der Königstochter bis zur Selbstmörderin in Gestik wie Mimik auszudrücken weiß; gesanglich durch ihre Intensität der Deklamation und des vokalen Ausdrucks. Man versteht, weshalb die britische Kritik sie als «Callas of our time» gerühmt hat. Ähnlich nachhaltig prägt sich der für den erkrankten ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Nur mal kurz in die Debatte geworfen, schon lösen gewisse Namen etwas aus. Blut, Schweiß, Sperma, Gewalt – das sind die Stichwörter des Pawlow’schen Denkreflexes, wenn der Name Calixto Bieito fällt. Ein solcher Name nützt auch in einem praktischen Sinn: Er gewährt (dauerhaften) Zutritt zum internationalen Regiezirkus. Jetzt mischt Bieito auch am Staatstheater...
Gemessen am Mainstream und Verkaufsdruck des Klassikmarktes, klingt es geradezu paradiesisch: Palazzetto Bru Zane, das in Venedig ansässige, privat finanzierte Zentrum für französische Musik des 19. Jahrhunderts (siehe OW 1/2013), baut sein Programm und sein internationales Netzwerk weiter aus. Florence Alibert, die Generaldirektorin, und Alexandre Dratwicki, der...
Dass Jacques Offenbach ein romantischer Universalkomponist war, wussten schon seine Zeitgenossen. Auch nach seinem Tod blieb Offenbachs Poesie hellen Ohren nicht verborgen (Karl Kraus!). Insofern bietet die Beschäftigung mit seinen sechs Opern – die unaufgeführten, unvollendeten und Mischgattungen nicht mitgezählt – kaum Überraschungen. Wie aber der «Kontinent...
