Larifari-Herrscher
Auch informierte Historiker hätten wohl nicht mit dem Interesse gerechnet, das der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren in Deutschland – wo das mahnende Gedenken an den Zweiten eine viel größere Rolle spielt – bei Medien und Publikum auslöste: Die alten und neuen Bücher zum Thema stapeln sich, Fernsehreihen, Ausstellungen, ja selbst Comics pointieren die radikalen sozialen und künstlerischen Umwälzungen, die der Krieg mit sich brachte.
Nur das Musiktheater steht außen vor – sieht man ab von Nebenwerken wie Walter Kollos Scharfmacher-Operette «Immer feste druff!» oder den Einakter «Christnacht 1914» vom ältlichen Engelbert Humperdinck. Doch wofür wurde die interpretierende Regie erfunden, wenn nicht für die Anpassung des Repertoires an aktuelle Befindlichkeiten – oder an Termine.
In Kassel hat Michael Schulz Strauss’ «Frau ohne Schatten» mit rigoroser Konsequenz als Weltkriegsdrama (bis hin zum rauchenden Gasangriff) inszeniert, wobei er immerhin auf die Entstehungszeit der Oper verweisen konnte. Diese historische Brücke verfängt im Falle von Giuseppe Verdis «Ballo in maschera» natürlich nicht. Und so waren die Parallelen, die die Regisseurin Katharina Thoma am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Michael Struck-Schloen
Das alte Holz knarzt, die Treppenstufen geben leicht nach, trockene, würzige Luft zieht durch den Raum. Ein Raum, der im Wesentlichen noch so erhalten ist wie zur Entstehungszeit um 1680. Der Besuch im Ekhof-Theater im Gothaer Schloss Friedenstein ist ein Erlebnis für alle Sinne, für Augen, Ohren und Nase – und auch für die Hände, die behutsam über die Maserung...
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...
Jonas Kaufmann sorgte neulich für Empörung, weil er sich weigerte, Fans die Hand zu schütteln – könnten ja Hustenbazillen oder Grippeviren dran sein. Oder diese beliebte Pavarotti-Anekdote: Wie der in einem konzertanten «Otello» in Chicago saß, mit einem solchen Berg Medikamente neben sich, dass er glatt seine eigene Apotheke hätte aufmachen können.
Tja, was tut man...
