Modellhafte Interpretationen
Claudio Monteverdi spielt im Repertoire der großen internationalen Bühnen schon längst nicht mehr die Außenseiterrolle, in die er lange abgedrängt war. Es gab in den letzten vierzig Jahren viele wichtige, ja bahnbrechende Interpretationen in szenischer wie musikalischer Hinsicht. Der Amsterdamer Zyklus seiner drei abendfüllenden Opern, der jetzt bei Opus Arte auf DVD veröffentlicht wurde, hat gleichwohl neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt.
Regisseur Pierre Audi nimmt eine deutliche Gegenposition ein zum barock-opulenten Musiktheater Jean-Pierre Ponnelles, aber auch zu den aufgepoppten Spaßproduktionen der neueren Zeit. Die Szene konzentriert sich auf das Wesentliche und sucht die völlige Verschmelzung mit der Musik. Man muss oft an Neubayreuth denken. Die Bühne (Michael Simon) ist karg und arbeitet mit Bildsymbolen, entscheidende Bedeutung kommt dabei der Lichtregie (Jean Kalman) zu, die über eine weite Palette nachtdunkler Stimmungen verfügt. Die Sänger sind zu einer knappen, stilisierten, verlangsamten Gestensprache angehalten, die nie ins Manierierte umkippt, da sie nicht äußerlich ist, sondern aus hoher Konzentration geschaffener Ausdruck seelischer Befindlichkeit. Den Sängern ...
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Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu...
Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Aufseherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stalinistische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit....
«Orest» in Berlin, das Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Baden-Baden, «Don Giovanni» in Feldkirch, «Il re pastore» bei den Salzburger Festspielen und, und, und: Ist 2006 auch ein «Hengelbrock-Jahr»?
(lacht) Jedes meiner Lebensjahre war bisher ein Hengelbrock-Jahr. Vielleicht ist es einfach durch die Prominenz der Spielstätten ein bisschen mehr ins Bewusstsein...
