«Ich bin ein dramatisch denkender Musiker»
«Orest» in Berlin, das Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Baden-Baden, «Don Giovanni» in Feldkirch, «Il re pastore» bei den Salzburger Festspielen und, und, und: Ist 2006 auch ein «Hengelbrock-Jahr»?
(lacht) Jedes meiner Lebensjahre war bisher ein Hengelbrock-Jahr. Vielleicht ist es einfach durch die Prominenz der Spielstätten ein bisschen mehr ins Bewusstsein gerückt – in Paris geht es ja weiter mit Luc Bondy und «Idomeneo». Aber ich glaube nicht, dass sich prinzipiell etwas an meiner Arbeit verändert hat.
Dass Mozart dabei immer mehr zum Schwerpunkt wurde, ist sicher kein Zufall.
Das ist beabsichtigt. Auch mein Festival, bei dem ich immer die Themenvorgabe mache, heißt in diesem Jahr etwas provozierend «Amadeus!». Für mich selbst ist dieses Mozart-Jahr eine ungeheure Bereicherung: Ich habe mich schon immer mit Mozart beschäftigt, aber nie in dieser Intensität und Konzentration.
Sehen Sie neben der Bereicherung auch Risiken, die sich mit einem Jubiläumsjahr verbinden? Stichwort: Vermarktung...
Mozart wird dagegen total resistent sein. Die Rezeptionshaltung hat sich ja gewandelt. War es in den siebziger und achtziger Jahren eher noch der «Mozartkugel»-Mozart, hat es seit einigen ...
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Die ehemals Fürstbischöfliche Oper in Passau ist mit dreihundertdreißig Plätzen wohl eines der kleinsten öffentlichen Theater der Welt. Und doch bietet das von Stefan Tilch geleitete Haus ein von Händel über Verdi bis zu Strauss und Britten reichendes Programm, das es mit den «Großen» aufnehmen kann. Und jetzt Riccardo Zandonais «Francesca da Rimini»,...
Herr Schindhelm, Sie haben vor kurzem öffentlich erklärt, dass die Berliner Opernhäuser die bis 2009 vorgeschriebenen Einsparungen nicht erbringen können. Was hat Sie zu diesem dramatischen Schritt veranlasst, obwohl bis zum Stichtag noch drei Jahre Zeit sind?
In den Planungen liegt das Jahr 2008 bereits hinter uns – und wir wissen nicht, wie wir es bezahlen sollen....
Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...
