Weltgewimmel
Mahlers Sinfonien erzählen Geschichten. Geschichten, derer sich das Tanztheater längst bemächtigt hat. Auch Bremens Leitender Regisseur Benedikt von Peter und seine Mannschaft scheinen von diesem Ansatz auszugehen, kommen aber bei Mahlers Dritter zu Ergebnissen, die eher im Bereich des Abstrakt-Assoziativen liegen und den Zuschauer mit einer Unzahl zufällig wirkender Eindrücke konfrontieren: Auf der begehbaren Bühne stehen allerhand Installationen, eine Schauspielerin wandelt umher und blickt dabei bedeutungsvoll in den Zuschauerraum.
Inmitten des Parketts hat man Mahlers Komponierhäuschen errichtetet, an den Wänden des Zuschauerraums flimmern riesige Videowände, zeigen in ständig wechselnden Youtube-Ausschnitten Szenen aus dem täglichen Leben. All das konkurriert mit dem auf einer beweglichen Plattform auf der Bühne postierten Orchester. Ein Medienaufwand, der eher überfordert als dabei hilft, sich auf Mahlers Musik zu konzentrieren.
Das Orchester spielt verkabelt; der Klang wird teilweise auf Disco-Lautstärke hochgefahren, die Höhen wirken übersteuert. Und bei der Videoübertragung der Sängerin beim großen Zarathustra-Solo (exakt in der Diktion und wunderbar voll im Klang: Nadja ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhart Asche
Der Opernkomponist Franz Schubert wird es wohl nie zum Repertoirekomponisten schaffen, obwohl immer wieder und teilweise grandiose Aufführungen gelingen. Jetzt nahm sich das Mainfranken Theater Würzburg der frühesten Schubert-Oper an, die – auch das ist typisch – mehr als hundert Jahre auf ihre Uraufführung warten musste: «Des Teufels Lustschloss», komponiert...
Es hat seinen besonderen Reiz, Donizettis «Favorite» im Jahr des Wagner-Jubiläums zur Aufführung zu bringen: Die Erstellung des Klavierauszugs war die erste große Auftragsarbeit, die Wagner 1840/41 aus Geldnot für den Pariser Verleger Maurice Schlesinger erledigte (wofür er mit 1100 Francs gar nicht schlecht entlohnt wurde: Ein einfaches Hotelzimmer kostete damals...
Erinnert sich noch jemand? An die Zeiten, als es im Theater um Sein oder Nichtsein der kritischen Bewusstseinsbildung ging? Um Aufklärung und Erziehung des unmündigen Menschengeschlechts? Um eine Ästhetik des Widerstands gegen Herrschaft und Macht? Es sieht so aus, als sei die Schaubühne als pädagogische Anstalt, als Labor für die spielerische Erprobung sozialer...
