Gefühlswegweiser
Über den Philosophen, Kulturkritiker und Politiker Wagner war im Wagner-Jahr viel zu lesen, über den Komponisten, den Musiker Wagner recht wenig. Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört das Buch des Musikwissenschaftler-Ehepaars Melanie Wald und Wolfgang Fuhrmann, das sich mit der Leitmotivik einer zentralen ästhetischen Kategorie von Wagners musikalischer Dramaturgie zuwendet. In zwei einführenden Kapiteln nähern die beiden Autoren sich dem Thema, grenzen Wagners Gebrauch von der bloßen Erinnerungsmotivik ab, wie die Oper sie seit dem ausgehenden 18.
Jahrhundert kennt, und definieren das Leitmotiv als «eine musikalische Gestalt, die auf etwas Nicht-Musikalisches verweist, das eine Bedeutung entfaltet». Auf zweierlei Weise unterscheidet Wagner sich von allen Vorläufern: einmal durch ein semantisches System, das gleichermaßen Personen, Objekte oder Gefühle betrifft; zum andern durch eine Klangdramaturgie, die die Motive, ähnlich den Themen einer Sinfonie, der Verarbeitung, Variantenbildung und Fortspinnung unterwirft. Wagner selbst spricht in «Oper und Drama» von «Gefühlswegweisern durch den ganzen vielgewundenen Bau des Dramas». Wald/Fuhrmann exemplifizieren diesen «Beziehungszauber» ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Wir sind, wohin wir gehören, wenn sich der Vorhang hebt. Im Theatermuseum nämlich. Überrascht blicken wir auf das Arrangement, das wie ein Gemälde von Edgar Degas anmutet: Tänzerinnen in gefrorenen Posen. Die Erinnerung wirft Schatten. Nur der Rauch, der sich links am Portal kringelt, verheißt Leben: Ein Mann, der sich im Laufe des Abends als Procida herausstellt,...
Erstaunlich genug, wenn eine große Opernsängerin nach ihrem Abschied von der Bühne eine zweite Karriere als Theaterleiterin mit Erfolg durchhält. Noch erstaunlicher, wenn sie auch als Inszenatorin immer mehr überzeugt. Nicht erst jetzt, nach dem Ende ihrer Intendanz in Innsbruck, zeigt sich Brigitte Fassbaender als erfahrene, aber auch neugierig-innovative...
Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht...
