Griff zum Welttheater
Gegen Jeffrey Chings Musiktheater ist Puccinis «Turandot» ein Waisenkind. Die Grausamkeiten der chinesischen Prinzessin stehen zwar bis auf eine kurze Szene zu Beginn in der unsichtbaren Vorgeschichte. Hier aber werden ganze Familien und Dynastien auf der Bühne hingemordet, sogar Neugeborene bleiben nicht verschont, nur weil ein machtgieriger Hofbeamter zur Herrschaft strebt. Dag-Ngans-Kagh ist sein Name, und seine Taten entstammen nicht dem Märchen, sondern der chinesischen Geschichte, fünf Jahrhunderte vor unserer christlichen Zeitrechnung.
Da wurde an einer Familie Zhao ein Massaker verübt, ein kleines Kind jedoch gerettet, das dann, erwachsen geworden, die Verbrechen rächt und einen neuen Staat gründet.
Der chinesische Komponist, Sinologe und Philosoph Jeffrey Ching (Jahrgang 1965), der heute in Berlin lebt, wollte mit seiner Oper «Das Waisenkind» natürlich keinen Schocker fabrizieren, vielmehr so etwas wie ein historisches Schicksalsrad entwerfen, ähnlich unserem mittelalterlichen «Rad-Bild» mit den Stationen eines Königs: Regno, regnavi, sum sine regno, regnabo. Für das Textbuch, das er selbst schrieb, konnte er sich auf etliche dramatische Bearbeitungen des Stoffes (sowohl ...
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Unterschiedlicher können sie nicht sein, diese beiden Dirigenten-Leben, wie sie nun in Buchform vor uns ausgebreitet werden: hier der von Skandalen unbehelligte Georges Prêtre, dort der extravagante Leopold Stokowski, dessen Vita durchaus für einen Film getaugt hätte – das Medium, dem er so wohlwollend zugeneigt war.
Auch methodisch unterscheiden sich beide Bände....
In der Literatur über Puccini besteht Einigkeit darüber, dass seine zweite Oper «Edgar» misslungen ist. Der Komponist selbst sprach von einem «kranken Organismus». Nach dem
Erfolg, den sein Erstling «Le Villi» 1884 in einem kleinen Mailänder Theater hatte, erhielt er von Giulio Ricordi den Auftrag zu einer neuen Oper. Die Arbeit daran zog sich über vier Jahre hin,...
Pling! Klack! Schon während der ersten Dreiklangsschleifen der kleinen Horrorkammer-Oper weint der Schnürboden des winzigen Potsdamer Schlosstheaters versteinerte Tränen. Die Bühne ist leer und schwarz, gerade der rechte Resonanzkasten für Philip Glass’ ohrenfälligen Spuk nach einer Story des Gruselklassikers Edgar Allan Poe. Bleich geschminkte Gesichter schweben...
