Gefühl und Kalkül
Unterschiedlicher können sie nicht sein, diese beiden Dirigenten-Leben, wie sie nun in Buchform vor uns ausgebreitet werden: hier der von Skandalen unbehelligte Georges Prêtre, dort der extravagante Leopold Stokowski, dessen Vita durchaus für einen Film getaugt hätte – das Medium, dem er so wohlwollend zugeneigt war.
Auch methodisch unterscheiden sich beide Bände.
Bei Prêtre basieren die Ergebnisse in erster Linie auf Gesprächen, die die Autoren Michaela Schlögl und Wilhelm Sinkovicz mit dem Dirigenten und seiner Familie geführt haben, ferner auf teils mehrseitigen Ausführungen seiner Weggefährten. Im Falle Stokowski hat Herbert Haffner auch auf bereits publizierte Interviews, vor allem aber auf andere gedruckte Quellen zurückgegriffen und sie in eine chronologische Ordnung gebracht. Prêtre, Sohn eines Stiefelmachers, ist ein echter «Ch’tis», also ein regionaler Abkömmling aus Frankreichs Kohlebecken im angeblich so unattraktiven Norden.
Von dort führt sein musikalischer Weg nach Paris, wo Georges sich, mitten in den Wirren des Krieges, dem Zauber des Trompetenspiels und den Verlockungen der Jazz-Szene hingibt. Doch die Trompete öffnet ihm auch das Tor zum Reich der Klassik, ...
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