Ehrenrettung
In der Literatur über Puccini besteht Einigkeit darüber, dass seine zweite Oper «Edgar» misslungen ist. Der Komponist selbst sprach von einem «kranken Organismus». Nach dem
Erfolg, den sein Erstling «Le Villi» 1884 in einem kleinen Mailänder Theater hatte, erhielt er von Giulio Ricordi den Auftrag zu einer neuen Oper. Die Arbeit daran zog sich über vier Jahre hin, ohne dass der Verleger die Geduld verlor.
Ein weiteres Mal musste Puccini den damals gefragten Literaten Ferdinando Fontana als Librettisten akzeptieren, der ohne Gespür für die Erfordernisse eines zeitgemäßen Musiktheaters eine Vorlage von Alfred de Musset, das Versdrama «La Coupe et les Livres», zu einem kruden Kolportagestück umformte. Die Grundkonstellation der Opernhandlung weist augenfällige Parallelen zu «Carmen», aber auch zu «Tannhäuser» auf, zwei Werken, die für die Komponisten der sogenannten «giovane scuola», zu der auch Puccini zählte, eine Art Wegweiser waren. Ein impulsiver, labiler Mann steht zwischen zwei gegensätzlichen Frauen, der einfältig-braven, aber seelenstarken Fidelia, und dem Weibsdämon Tigrana, der natürlich eine Zigeunerin sein muss.
Als Edgar nach langen und schicksalsreichen Irrfahrten den ...
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Wer mit preußischer Geschwindigkeit marschiert, schafft den Weg in sechs Minuten: immer geradeaus, von der Bismarckstraße Nummer 35, wo die Deutsche Oper residiert, hinauf bis zur Nummer 110, wo das Schiller-Theater steht. Ab Herbst 2010 wird hier die Berliner Staatsoper ein Ausweichquartier finden, während ihr klassizistischer Musentempel Unter den Linden für 239...
Wo er Recht hat, hat er Recht. «Man trifft im Leben», sagt Hans Neuenfels, «wenn man Glück hat, einige Lebende, die das Leben lebenswert machen. Doch glaube ich, die Zahl der Toten ist ungleich größer.» Zu diesen beneidenswert vitalen Toten gehören für Neuenfels all jene Komponisten, deren Musik ihn umtreibt. Und um diese Musik zu verstehen, trifft er sich gern mit...
Philippe Jaroussky hat’s geschafft: Als erster Countertenor ist der Franzose in den kleinen Kreis der Opernstars aufgestiegen, die mit ihren Recitals die großen Konzerthallen füllen können und deren Alben sich im Hunderttausender-Bereich verkaufen. Ein Erfolg, der umso bemerkenswerter ist, als Jaroussky bislang keine Kompromisse eingegangen ist: Statt «Ave Maria»...
