Besessene Wahrheitssuche
Als 2010 bei den Bregenzer Festspielen Mieczyslaw Weinbergs «Passagierin», 42 Jahre nach ihrer Entstehung, uraufgeführt wurde, schrieb Georg Rudiger in dieser Zeitschrift, damit sei ein Komponist wiederentdeckt worden, «dessen Werke in den nächsten Jahren auf vielen Bühnen und Konzertpodien zu hören sein werden» (OW 9-10/2010). Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Gewiss, wer sich einen Überblick über das umfangreiche Œuvre Weinbergs – darunter allein 22 Sinfonien, 17 Streichquartette und 6 Klaviersonaten – verschaffen will, kann inzwischen auf ein stattliches CD-Angebot zurückgreifen. Aber die Bühnen blieben trotz des Bregenzer Sensationserfolgs zögerlich. Kaiserslautern hat 2010 von den kleineren Bühnenwerken die Gogol-Oper «Das Porträt» nachgespielt, die beiden Kammeropern «Lady Magnesia» und «Wir gratulieren!» kamen 2012 in Erfurt bzw. Berlin zur Aufführung. In Karlsruhe wurde jetzt «Die Passagierin» zum ersten Mal in Deutschland gegeben, während «Der Idiot», Weinbergs 1986 abgeschlossene Dostojewski-Oper, von der 1991 in Moskau nur eine reduzierte Version erklungen war, eine Woche zuvor in Mannheim ihre eigentliche Uraufführung erlebte.
Weinbergs Leben ist von den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
Der Cembalist, ehemalige Chorknabe und Dirigent Laurence Cummings steht für jenen Typus des positiv denkenden, quirligen, kontaktfreudigen, global agierenden englischen Musikers, der nicht vergrübelt, politisch oder ideologisch an Musik herangeht, sondern Spaß haben und bereiten will, die Menschen mit der Lässigkeit des Könners im Sturm erobert und gegenwärtig...
Da steht er also im Regen, der neue Wagner von Leipzig. Die Temperaturen liegen unter 10 Grad an diesem 22. Mai. In Wagners Rücken blättert der Putz der ehemaligen Stasizentrale. Vor ihm liegen durchnässte Begonienrabatten. Rechts von ihm, am anderen Ende der kleinen Grünanlage des Goerdelerrings, hat Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, seinen Sockel....
Die finnische Mezzosopranistin Virpi Räisänen gehört zu einer neuen Generation von Sängerinnen und Sängern, die sich ihr Repertoire quer durch die Stile und Epochen erarbeiten. Glucks Orfeo und die Dorabella singt sie ebenso selbstverständlich wie Berios «Sequenza III». In Salzburg trat sie in Rihms «Dionysos» und in «Al gran sole» von Nono auf, und als...
