Blechgepanzert, abgeschirmt

Wie Richard Wagners 200. Geburtstag in Leipzig und Bayreuth gefeiert wurde

Opernwelt - Logo

Da steht er also im Regen, der neue Wagner von Leipzig. Die Temperaturen liegen unter 10 Grad an diesem 22. Mai. In Wagners Rücken blättert der Putz der ehemaligen Stasizentrale. Vor ihm liegen durchnässte Begonienrabatten. Rechts von ihm, am anderen Ende der kleinen Grünanlage des Goerdelerrings, hat Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, seinen Sockel. Mehr als hundert Jahre dauerte es, bis Wagners Geburtsstadt sich zu diesem Denkmal durchringen konnte. Projekte von Max Klinger und Emil Hipp scheiterten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Und ob für 2013 ein neues in Angriff genommen werden sollte, blieb lange unklar. Burkhard Jung, der Oberbürgermeister, zum Beispiel war lange dagegen und zieht jetzt doch brav die Plane von Stephan Balkenhols Kunstwerk. «Treulich geführt», singt schütter ein Chor. Von den Schirmen tropft es. «Der Künstler, das Genie, wirft seine Schatten voraus», sagt der Bildhauer – und zeigt es: Hinter dem jungen (von der Physiognomie kaum erkennbaren) Wagner im Gehrock türmt sich sein Schatten (in den Zügen besser erkennbar). Natürlich steht Wagner damit auch im Schatten seiner selbst und seiner Wirkung, die bekanntlich viele fatale Züge ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Exemplarisch

Wohl kaum ein Komponist hat sein Œuvre so auf seinen Lebenspartner zugeschnitten wie Benjamin Britten, obwohl man Peter Pears – wie Humphrey Carpenter in seiner Britten-Biografie bemerkt – zunächst eine künstlerische Zukunft kaum zutraute. «Ich konnte ihn mir weder als Opern-, noch als Liedsänger vorstellen», meinte der Dirigent Trevor Harvey. Doch Lord Harewood,...

Frühling, Winter, Sommer

Wie war das noch mal in Philipp Himmelmanns Baden-Badener «Così fan tutte»-Inszenierung? Da stand Despina in der ersten Szene unter einem blühenden Baum – und pflückte einen Apfel. Mitten im Frühling lockten Versuchung und Erkenntnis zugleich – und gerade dort verortete der Regisseur die letzte der drei Da-Ponte-Opern. Der kleine Zyklus sollte folgerichtig im...

Filmreif

Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings ­einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...