Die indische Zauberflöte
Nach dem grandiosen «Nixon in China» im Jahr 2012 und dem eher wackligen «I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky» im Jahr 2013 setzt das Pariser Théâtre du Châtelet seinen John-Adams-Zyklus fort: mit der französischen Erstaufführung von «A Flowering Tree», der bislang letzten, 2006 in Wien uraufgeführten Oper des amerikanischen Komponisten. Den gesellschaftspolitischen Themen eines «Death of Klinghoffer» oder «Doctor Atomic» kehrte Adams den Rücken, indem er mit seinem langjährigen Librettisten Peter Sellars ein indisches Märchen vertonte.
Die junge Kumudha nutzt ihre Fähigkeit, sich in einen Baum zu verwandeln («Daphne» lässt grüßen), um dessen Blüten zu verkaufen: So kann sie ihrer armen Mutter helfen. Ein Prinz verliebt sich in den Baum, aber nur nach bestandenen Prüfungen der Trennung und des Schweigens bringt es die gegenseitige Liebe zustande, die beiden zu Menschen heranreifen zu lassen («Die Zauberflöte» lässt grüßen).
Dieses naive Moment, eines der Hauptmerkmale von Sellars’ Opernbüchern, hat etwas Rührendes, doch der Stoff findet nicht recht zu dramatischer Spannung und Entwicklung. Wir haben es eher mit lyrischen Szenen oder einem Oratorium zu tun: Ein ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Christian Merlin
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist nach dem Brüsseler «Parsifal» von 2011 die zweite Oper, die Sie inszenieren. Warum haben Sie sich erst so spät dieser Gattung zugewandt?
Unter allen Gattungen empfinde ich die Oper am stärksten als rückwärtsgewandt und konservativ. Sie stellt eine Welt ohne Sauerstoff dar, die in erstickender Weise an eine bestimmte Vorstellung von...
Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte...
Diese Salzburger Werke-Ambition klingt nach ihm. «Jonny spielt auf», «Pilger von Mekka», «Eugen Onegin», «La clemenza di Tito»: Das hätte einst auch Gerard Mortier zu einer Sommersaison zusammenschnüren können. Doch verantwortlich dafür sind andere. Jene, die sich gegen die übermächtigen und ständigen (ob im Januar, zu Ostern, Pfingsten oder im August)...
