Aus dem Leben eines Taugenichts
Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte schon fünfzehn Jahre auf der Bühne gestanden, da fand ich mich in einem dieser Flughafenbusse direkt neben der fiesesten Feder der Fleetstreet wieder. Mir wurde flau.
Beim Lesen meiner Kritiken hatte ich mir unsere Begegnung nämlich oft ausgemalt. Es würde hoch dramatisch, ganz große Oper sein, der Mann hinterrücks über mich herfallen. «SIE HABEN KEIN TALENT!», würde er kreischen und mir ein Messer zwischen die Schulterblätter rammen.
Was geschah stattdessen? Wir kamen ins Gespräch, und er entpuppte sich als ganz normaler Mensch. Schlimmer noch: Er schien sogar ganz nett. Es war enttäuschend.
Bisher steckte man als Sänger die Kinnhaken halt ein und weinte nachts leise in sein Kissen. Wenn’s ganz dicke kam, konnte man bei der Zeitung anrufen und sich aufregen. Habe ich mal gemacht. Da hatte mich jemand für ein Konzert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Christopher Gillett
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
...
Rezensieren kann man dieses Buch eigentlich nicht. Es wird von seinem Autor als «Arbeitsbuch», an anderer Stelle als «subjektiv verfasstes Übungsbuch» bezeichnet. Beides trifft zu. Das heißt: Sängerinnen und Sänger sollten dieses Buch nehmen und die darin vorgeschlagenen Übungen ausprobieren – in der Gruppe oder im stillen Kämmerlein. Dann wird man den Wert der...
