Es geht auch anders

Massenet: Esclarmonde Dessau / Anhaltisches Theater

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Die trauen sich was. Das Anhaltische Theater Dessau, das Jules Massenets ausstattungsintensiven Beitrag zur Pariser Weltausstellung 1889 «Esclarmonde» mit vier Chören ehrenvoll zur deutschen Erstaufführung bringt, verdient Besseres als die nächste Etatkürzung 2014. Der jüngste Sparbeschluss der Landesregierung Sachsen-Anhalt trieb Intendant André Bücker zornig vor den Vorhang. 219 Jahre sei das Theater alt, 247 Jahre die Anhaltische Philharmonie. Sie hätten wahrlich schwierigere Zeiten überlebt.

Ein noch leidenschaftlicheres Plädoyer aber hielt Massenets byzantinisches Märchenspektakel vor dem scharenweise aus Berlin angereisten Publikum, das des hauptstädtischen Wagner-Verdi-Allerleis müde ist.

Schon der majestätische Ohr-Leitwurm, orgelumrauscht exponiert, schlug in seinen Bann. Das Libretto stapelt Wagner-Topoi übereinander: vom fernen Sagenstoff über Frageverbot (Roland darf die Identität der verschleierten Titelheldin nicht erkennen), zweiten Tristan-Akt (samt instrumentaler Liebesnacht), Nothung und Kundry-Schlaf bis zum pseudochristlichen Ritual. Diese literarische Demonstration ist ein Witz. Massenet schreibt dazu eine Anti-Wagner-Musik mit Sarrusofon und Saxtuba, als wolle ...

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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Boris Kehrmann

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