Reitwalhalle
In «Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes» erzählt Friedrich Torberg unter anderem von einem Gast namens Soyka, der einst das Wiener Café Herrenhof in komplettem Reitkostüm mit Schaftstiefeln, Sporen und Gerte betrat. Worauf der Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar süffisant bemerkte: «Ich hab’ ja auch kein Pferd, aber so kein Pferd wie der Soyka hab’ ich nicht.» In Uwe Eric Laufenbergs Linzer Inszenierung von «Die Walküre» hat man zwar ein Pferd.
Aber das Tier, das zu Beginn des dritten Akts mit seiner hübschen Reiterin Runden in einer herabgekommenen Reithalle dreht (Bühne: Gisbert Jäkel), erinnert irgendwie an Torbergs Anekdote. Denn in seiner einsamen Anwesenheit betont es die Abwesenheit der anderen – so keinen Walkürenritt wie diesen gibt es kaum. Obwohl ein bemühtes Wunschmädchen-Geschwader in Flieger-Outfits der 1920er-/30er-Jahre (Kostüme: Antje Sternberg) Helden ganz und in Einzelteilen – Arme, Beine – sammelt und zu einer Art Skulptur von Körpern zusammenfügt. Falls dies ironisch das faschistische Potenzial, das dieser Szene innewohnt, herauskitzeln soll, greift es wohl zu kurz. Wirklich überzeugend sah man diese Szene freilich auch in anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den...
Sie dirigieren 2016, nach «Lohengrin», Ihre zweite Festspiel-Premiere in Bayreuth: «Parsifal». Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks haben Sie gerade den dritten Akt konzertant aufgeführt. Ein Testlauf?
In solchen Kategorien denke ich eigentlich nicht. Wir haben nach einer Möglichkeit für konzertante Oper gesucht und sind irgendwann auf «Parsifal»...
Die Veröffentlichung der CD-Einspielung von Leonardo Vincis «Artaserse» war ein großer Erfolg (vgl. OW 12/2012). Der Jubel setzte sich fort, als das Werk in der Inszenierung des rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete auch auf die Bühne kam (vgl. ebenda) – unter anderem an der Opéra national de Lorraine in Nancy, wo der Mitschnitt entstand, der jetzt auf DVD...
